31.7.17

Final Portrait

Großbritannien 2017 Regie: Stanley Tucci mit Geoffrey Rush, Armie Hammer, Tony Shalhoub, Sylvie Testud 90 Min.

James Lord (1922-2009) war ein amerikanischer Schriftsteller, der Pablo Picasso, Gertrude Stein und Arletty kennenlernte. Mit dem Künstler Alberto Giacometti (1901-1966) war er seit 1952 befreundet, stand ihm in Paris Modell und verfasste dessen Biographie. Gleich zu Anfang der Sitzungen, vieler Sitzungen, erklärt der alte Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) seinem Freund James Lord (Armie Hammer) die prinzipielle Aussichtslosigkeit des Versuches, ein Porträt fertigzustellen. Kunsttheoretisches Geschwafel scheinbar, das sich aber sehr nervenaufreibend konkretisiert. Denn das bekannte Porträt war nach dieser Geschichte eine ganz, ganz schwere Geburt. Allerdings luftig leicht und humorvoll präsentiert von Stanley Tucci, dem bekannten Schauspieler („Die Tribute von Panem", „Der Teufel trägt Prada", „Spotlight") und guten Regisseur („Big Night", „The Impostors", „Blind Date").

Während Lord noch stoisch bis amüsiert Modell sitzt und seinen Abflug wieder und wieder verschiebt, verzweifelt der Meister hinter der Leinwand. „Oh fuck" lautet sein häufigster Kommentar. Wieder und wieder übermalt er die Leinwand. Die Verzögerungen wirken aber gelichzeitig wie ein Spiel, in dem der Meister sein Modell immer weiter herausfordert. Der legt eine bewundernswerte Ruhe und Geduld an den Tag, während man bei ihm Zuhause keineswegs so lange warten will.

Es sind die Gespräche und Ereignisse zwischen den Sitzungen, die Giacometti selbst porträtieren. Impressionistische Fragmente und Szenen, bei denen schon mal der Ton nicht synchron zum Bild läuft. Der recht geschäftstüchtige Künstler versteckt Millionen in Geldbündeln in seinem Atelier, ist aber emotional hoffnungslos abhängig von der Prostituierten und Geliebten Caroline, seinem bevorzugten Modell. Giacometti scheißt die Zuhälter von Caroline förmlich mit Geld zu, die immer wieder gedemütigte Partnerin (Sylvie Testud) des Egozentrikers schaut verbittert zu. Die im Alter zunehmenden Zweifel an seiner Arbeit sorgen für ausreichend Spielraum und das wieder und wieder wunderbare Bild der beiden Figuren im komplett grau gehaltenen Atelier, umgeben von vielen Plastiken Giacomettis (Kamera: Danny Cohen). Geoffrey Rush („The King's Speech", „Shine") und Armie Hammer („The Social Network", „Lone Ranger") machen den schweren kreativen Prozess zu einem leichten Vergnügen.

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