1.5.17

Regeln spielen keine Rolle

USA 2016 (Rules don't apply) Regie: Warren Beatty mit Warren Beatty, Lily Collins, Alden Ehrenreich, Annette Bening, Matthew Broderick, Alec Baldwin 127 Min. FSK: ab 6

Ja, dieser wirre, alte Mann, der letztlich zusammen mit Faye Dunaway den falschen Haupt-Oscar anstelle von „Moonlight" verkündete, hat wieder mal einen Film gemacht. Wie so circa alle 10 Jahre führte der 80-jährige Warren Beatty selbst Regie und spielte auch mit. Dabei wirkt nicht nur seine Darstellung des Multi-Talents und -Milliardärs Howard Hughes ebenso wirr, auch der Film irritiert mehr als er interessiert. Irgendwie stellt man sich vor, wie nächstes Jahr bei den Goldenen Himbeeren jemand „Moonlight" fälschlich als Hauptgewinner verkündet, bevor Warren Beattys Film alle Schund-Preise abräumt.

Nach dem großen Erfolg „Der Himmel soll warten" (1977), den großen US-Linken „Reds" (1981), dem vor allem bunten „Dick Tracy" (1990) und dem großen Flop „Bulworth" (1998) sorgt Warren Beatty nun mit seiner Version von Howard Hughes für großes Kopfschütteln. Die Krisen-Periode im Leben des Unternehmers, Filmproduzenten und Luftfahrtpioniers (1905-1976) zeigt einen bis zur Lächerlichkeit scheuen und exzentrischen Spinner aus dem Blickwinkel zweier seiner zahllosen Angestellten: Die glaubensfeste Nachwuchsschauspielerin Maria (Lily Collins) kommt 1958 als Schönheitskönigin aus der Provinz nach Los Angeles und wartet für 400 Dollar pro Woche in einer Luxus-Villa auf einen Probe-Dreh. Mit über zwanzig anderen, meist blonden Frauen. Wie ihr Chauffeur Frank (Alden Ehrenreich), der eigentlich ein Immobilien-Projekt mit Hughes finanzieren will, bekommt sie den berüchtigten Produzenten lange nicht zu Gesicht. Trotz strenger Regeln für die Chauffeure der Film-Sternchen und noch strengerer Regeln der beiden jungen Gläubigen verlieben sie sich ineinander. Was Maria so irritiert, dass sie erstmals in ihrem Leben Alkohol trinkt und direkt mit Hughes ins Bett hüpft, obwohl wir mit ihr seine bisherigen Annäherungs-Versuche nur spöttisch betrachten konnten.

Irgendwie war es das dann auch schon in Sachen Handlung. Während Hughes damit beschäftigt ist, sich zu informieren wie man ihn nicht als Wahnsinnigen in eine Irrenanstalt stecken kann, wirkt er genau deswegen sehr irre. Ganz anders als Leo DiCaprio in Martin Scorseses „The Aviator". Die Fluggesellschaft TWA macht wegen gescheiterter Projekte viel Ärger, der codein-süchtige und psychotische Hughes versteckt sich monatelang und sein Personal ist damit beschäftigt, landesweit „Banana nut"-Eiscreme aufzutreiben. So sehen wir also Beatty ausführlich als „nutcase", als Spinner, und die eigentliche Liebesgeschichte von Maria und Frank stürzt dabei total ab. Die wäre allerdings auch nur eine lahme Kopie der Landei-Geschichte in Hollywood, wie sie Woody Allen zuletzt in „Café Society" erzählte. Nein, Regeln hält dieser Film wirklich nicht ein. Zumindest nicht die Regeln des klassischen Hollywoods, zu dessen Zeit er spielt. Dann hätte er vielleicht so genial verrückt wie Barton Fink sein können, ist nun aber trotz vieler Stars nur lahm schräg.

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