15.5.17

Beuys

BRD 2017 Regie: Andres Veiel 107 Min.

Beuys ist einer dieser Menschen, „die man ja kennt" ohne wirklich mehr als Fettecken-Anekdoten und Filzhut-Aufnahmen von ihnen zu kennen. Das sehr interessante kurzweilige Porträt Andres Veiels über den legendären Künstler Joseph Beuys (1921 - 1986) haucht dem Namen Leben ein, erteilt Beuys selbst das Wort und montiert aus zahlreichen bisher unerschlossenen Bild- und Tondokumenten ein assoziatives, durchlässiges Porträt, das, wie der Künstler selbst, eher Ideenräume öffnet, als Statements verkündet. Hinter der Aura von Filz und Fett-Ecken taucht ein oft lachender, geistreicher Mensch auf, während chronologisch Lebensstationen mit dem Absturz als Kriegspilot, den Depressionen in den Fünfziger Jahren, der Aktion „7000 Eichen" auf der dokumenta und der Beteiligung an der Gründung der Grünen abgehandelt werden.

Denn Joseph Beuys war nicht immer und nicht nur der weltweit gefeierte Kunst-Star mit Ausstellungen bis - als erste deutscher Künstler - ins New Yorker Guggenheim. Als Kampf-Pilot im 2. Weltkrieg formte ein Absturz seine Gesichtszüge. Zeiten der Zweifels und schwerer Depressionen standen vor dem Durchbruch. Und auch dem Bild der Kunstszenen-Ikone werden weitere Ebenen hinzugefügt. Der solidarische Protest für mehr Schüler an der Düsseldorfer Akademie, dieser Kampf mit dem früheren Minister Johannes Rau wird ebenso mit vielen Filmaufnahmen nachgezeichnet wie das letztlich erfolglose Engagement bei der Gründung der Grünen. Die kämpferische Haltung für einen demokratischen Sozialismus und gegen die Machenschaften der Banken war damals in der Partei allerdings noch nicht angesagt.

Der Kunstbegriff von Beuys fließt beim Betrachten eines prallen und atemlosen Lebens spielerisch ein und wird nie didaktisch vorgetragen. Besonders reizvoll ist „Beuys" wenn die Kunst-Vorstellungen von Veiel und Beuys zur Deckung kommen, wenn der Regisseur mit seiner Dokumentation einen beuysschen Kunstakt hinlegt. „Es muss ja eine Frage vorliegen, die ich versuche mit den Menschen gemeinsam zu lösen", diesen Satz würden beide unterschreiben. Und wenn Beuys eine „letzte Warnung an die Deutsche Bank" ausspricht, ist der Schritt zu den RAF-Protagonisten in Veiels früherer Doku „Black Box BRD" nicht weit. Andres Veiel machte sich sowohl auf der Bühne mit seinen eigenen Stücken „Der Kick" über die Neonazi-Szene und „Das Himbeerreich" über die Verbrechen der Banken, sowie auf der Leinwand mit „Black Box BRD" und der eigenen Verfilmung von „Der Kick" einen Namen. So ist es tatsächlich immer noch unterhaltsam, wie Beuys boxt, diskutiert, doziert, dem toten Hasen die Kunst erklärt und fragt: „Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen?" Ein Spaß an Provokation und heftigen Reaktionen des Publikums ist bei Beuys und Veiel gleichermaßen zu spüren.

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