7.3.17

Moonlight (2016)

USA, 2016 Regie: Barry Jenkins mit Trevante Rhodes, Ashton Sanders, Alex Hibbert, Naomie Harris, Mahershala Ali 111 Min. FSK: ab 12

Mit drei Oscars (Bester Film, Bester Nebendarsteller, Bestes adaptiertes Drehbuch) bringt „Moonlight" zum Deutschlandstart reichlich Vorschusslorbeeren mit. Selbst wenn so ein Oscar für den Besten Film selten eine rein künstlerische Einschätzung ist, muss das gute, bewegende und für die USA von heute wichtige Werk mit der episodischen Lebensgeschichte eines schwarzen und schwulen Drogendealers in Miami hohen Erwartungen gerecht werden.

„Moonlight" ist ein Triptychon des Lebens von Chiron als Kind, Teenager und Erwachsener. Dass der kleine Chiron „Little" genannt wird und im Spiel der gleichaltrigen Jungs außen vor bleibt, ist symptomatisch für sein Leben. Er wird gehänselt und gemobbt, ganz nebenbei jagt ihn eine Gang von Schulkindern durch eine andere Szene um den Drogendealer Juan (Mahershala Ali). Der geht der Sache nach und wird mit viel Geduld ein väterlicher Freund des eingeschüchterten Chiron. Was dieser auch nötig hat, denn zuhause überrascht ihn die drogenabhängige Mutter mit immer anderen Gemüts- und Gesundheitszuständen. So dass das Übernachten bei Juan und dessen liebvoller Freundin zur Regel wird.

Die Gründe für die Prügel, die Chiron regelmäßig bezieht, werden nicht explizit gemacht. Er ist stiller, zurückhaltender als die anderen in der gefährlichen Sozialsiedlung Liberty City in Miami. Auch noch als Teenager in der zweiten Episode, in der sich herausstellt, dass der väterliche Freund und Beschützer Juan seine seine kleinen Dealer ausgerecht Chirons Mutter den Crack verkaufen lässt. Und in der Kevin, der einzige Freund an der Schule, mit Chiron erste Zärtlichkeiten austauscht, um ihn daraufhin brutal zu verraten.

Immer wieder ragen die bekannten Bilder und Szenen von Gewalt und Drogen-Umgebung in Chirons Geschichte, aber „Moonlight" erzählt sie als ganz eigene. Mit klassischer und moderner Musik (Nicholas Britell) sowie einer exquisit bewegten Kamera (James Laxton) erheben sich Momente graziös über das Alltägliche hinaus. Momente, in denen man an den Stil von Terence Malick denken muss. Dass „Moonlight" überhaupt keine soziale Fallstudie über das schwere Überleben in Problembezirken, aber durchaus auch ein Liebesfilm ist, zeigt die dritte Episode, in der ein erwachsener Chiron als dritten Spitznamen „Black" annimmt.

Mit martialisch metallischen Zahnspangen ist Chiron nach einem Ausbruch am Ende des zweiten Teils mittlerweile selbst Dealer. Doch der Film interessiert sich nur dafür, wer er wirklich ist. Diese Frage steht zwischen ihm und dem ehemaligen Freund Kevin, mit dem es ein Widersehen nach Jahren gibt. Spätestens hier werden sich alle unbelehrbaren Fans des Hiphop- und Gangsta-Films aus dem Kino verabschieden, denn wir sehen eigentlich und endlich das empfindsame Wesen des „Little" Chiron. Was jetzt auch nicht zu Hollywood-Happyness führt, aber zu einem sehr runden Porträt, dass mit seiner feinen Darstellung packt und fasziniert. Und das vor allem, auf Basis von Tarell Alvin McCraneys Bühnenstück „In Moonlight Black Boys Look Blue", eine ungewöhnliche Geschichte über den Alltag vieler junger Schwarzer in den USA erzählt.

Eigentlich hätte es einen geteilten Oscar für die drei Darsteller des Chiron geben können und auch die Nebenrollen - etwa von Chirons Mutter - beeindrucken sehr. Für die Rolle des zwielichtigen väterlichen Freundes Juan bekam schließlich Mahershala Ali den Oscar 2017 als Bester Nebendarsteller.

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