20.3.17

Lommbock

BRD 2017 Regie: Christian Zübert mit Moritz Bleibtreu, Lucas Gregorowicz, Antoine Monot jr., Wotan Wilke Möhring, Alexandra Neldel 106 Min. FSK: ab 12

Nach „T2 Trainspotting" folgt nun die nächste und deutsche Fortsetzung eines Klassikers unter Drogen: Kai und Stefan (Moritz Bleibtreu, Lucas Gregorowicz) lieferten vor 16 Jahren unter dem Deckmantel eines Pizzaservices halb legale Rauchwaren aus. Aber nicht bei der Handlung ging die Post ab, „Lammbock" - so hieß der Pizza-Service - drehte sich hauptsächlich ums Kiffen und Schwätzen. Die zeitweise genialen Texte waren das Beste am Film, „Jacobs Krönung!", wie die Rauchware fachmännisch begutachtet wurde. Im Laufe der Zeit entwickelte sich „Lammbock" zum Kultfilm, dessen Fans Regisseur und Autor Christian Zübert massiv und schließlich erfolgreich bedrängten, eine Fortsetzung zu liefern.

Die Freunde Kai und Stefan sind nun in die Jahre und sich abhanden gekommen. Während Kai noch immer in Würzburg herumkifft und aus Lammbock der asiatische Lieferservice Lommbock wurde, hat Anwalt Stefan in Dubai vermeintlich das große Los gezogen. Die reiche Tochter Yasemin (Melanie Winiger) stattet ihn nicht nur mit vierstelligem Taschengeld und Kreditkarte aus. Für Schwiegerpapa darf er sogar einen unechten Kifferstrand auf einem Wolkenkratzer als Geschäftsidee realisieren. Als Stefan jedoch für die Dokumente zur Hochzeit noch einmal in die Provinz reist, machen die Freunde weiter, wo sie aufgehört haben. Im heftigsten Hanf-Nebel. Selbst kurz vor Rückflug unter den Augen vom Bundesgrenzschutz, was Stefan eine Verlängerung des Kurz-Trips einbringt, weil zu Hause in Dubai ein Drogentest droht.

Auch „Lommbock", der Film über Freundschaft, lebt lange vom bekifften Gequatschte und hört sich an wie jemand, „der in den letzten 20 Jahren extrem viel THC konsumiert hat". Kai verbreitet seine Thesen über unsere Abstammung von den Aliens und über mangelnde Lust im Bett. Wegen der „genmanipulierte THC-Scheiße" reden alle plötzlich polnisch obwohl sie das eigentlich nicht können. Dass sich über die Jahre nicht nur die Dosis im Kiff geändert hat, zeigt sich im konventionellen Verlauf des mäßig gelungenen Comebacks von Kai und Stefan. Wo „T2 Trainspotting" mit ICE-Geschwindigkeit die alte Geschichte in die Gegenwart katapultierte, rauchen die Würzburger Junkies erst mal einen, dann wird in der letzten halben Stunde aus dem Entziehungsversuch ein provinzieller Drogenkrimi. Die für einen Kiffer-Film recht stringente Handlung fängt eventuelle Aufmerksamkeitsprobleme mit Zwischentiteln auf.

Das Wiedersehen macht nur begrenzt Freude: Wotan Wilke Möhring ist wieder der völlig durchgeknallte Kiffer Frank mit lautem Touret. Aus dem Gangster-Rapper 3JahreBau wurde mittlerweile 10JahreBau. Der Running Gag um Mehmet Scholl aus dem ersten Teil gipfelt in einem kurzen Cameo-Auftritt des Ex-Fußballers. Bleibtreu
brilliert beim Versuch, dem Stiefsohn mit alberner Jugendsprache näher zu kommen. Der macht mittlerweile mit dem Verkauf von Gras 2000 im Monat und hätte die interessantere Geschichte erzählt. Was Bleibtreu und Lucas Gregorowicz als Kai und Stefan hinlegen, ist gut gespielt, wenn auch nicht mehr „Jacobs Krönung!". Bei mäßigem Drama und THC-bedingter lahmer Entwicklung liefert „Lommbock" nur etwas Spaß ab. Für Kult reicht das nicht mehr.

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