8.3.17

Kong: Skull Island

USA, Vietnam, 2017 Regie: Jordan Vogt-Roberts mit Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, Brie Larson, John Goodman, John C. Reilly 118 Min.

„King Kong" ist ganz schön groß, auch in der Geschichte der Remakes vom immer noch sehenswerten Original aus dem Jahr 1933: Über den historisch misslungenen Versuch von 1976 bis zu Peter Jacksons Variante, die 2005 trotz eindrucksvoller Effekte enttäuschte. Er blieb „Herr der Ringe" statt „Herr der Kinge". Nun noch ein Remake von „King Kong und die weiße Frau", nur wir nennen es mal anders. „Kong" soll nicht Kopie und zweiter Aufguss sein, sondern „Original-Abenteuer, das den Ursprüngen eines der mitreißendsten Monstermythen überhaupt nachspürt"! Oder „reboot" wie man heute sagt, wenn man gleich eine ganze Filmreihe verkaufen will. Dieser Neustart hat allerdings fast die Besetzung eines B-Pictures, bei dem solche Geschichten ja auch besser angesiedelt sind als bei großen Geld.

Tom Hiddleston („The Avengers", „Thor: The Dark Kingdom") spielt bei der Expedition einer neu entdeckten Insel im Jahre 1973 den smarten britischen Pfadfinder. Mit einem Team aus Wissenschaftlern, Soldaten und Abenteurern soll untersucht werden, was die modernen Satelliten aus der Luft erspäht haben. Die Hubschrauber der US-Army kommen zwar durch die permanente Sturmfront um die so verborgene Insel, doch als sie den gerade verlorenen verlorenen Vietnam-Krieg auf neuem Territorium bombig fortführen, greift eine ganz große Hand ein. Statt Vietkong macht ihnen nun King Kong die Hölle heiß und holt die Helikopter-Flotte wie Spielzeug vom Himmel.

„Kong" spielt fast komplett auf der Insel namens Skull Island, die es ja sogar in den Filmtitel schafft: Es werden keine Hochhäuser erklommen, das ist heutzutage sowieso das Gebiet anderer Affen, Extrem-Sportler genannt. Auf Skull Island wimmelt es von riesigen Spinnen, gigantischen und gutmütigen Wasserbüffeln sowie anderen Schau-Werten des Sensations-Kinos, ganz in der Tradition von 1933. Angesichts dieser optischen Schwergewichte, fällt die Handlung etwas mickriger und übersichtlicher aus: Rennen und rette sich wer kann, sind die wesentlichen Motive. So ist „Kong" im besten Sinne ein „Jurassic Park"-Film, nur besser als dessen „reboot" namens „Jurassic World".

Allerdings taucht in der Bildgestaltung und mit der Figur von Samuel L. Jackson („Pulp Fiction", „The Avengers 2") als grandios wahnsinnigem Militär mit angestautem Frust vom verlorenen Krieg unübersehbar das Thema Vietnam auf. Der zeitlos mörderischen Haltung gegenüber Unbekanntem wird ein anderer Umgang mit der Kreatur entgegen gesetzt. Die Fotografin Mason Weaver (Brie Larson, „Raum") darf die mitfühlende, offene Menschlichkeit verkörpern. Etwas mehr Charakter als nur „weiße Frau", aber längst keine Hauptrolle. Dabei hält sich der zum Klischee gewordene Kitsch der Schönen in der Hand vom Biest in Grenzen.

Kongs Mimik ist dabei ausdrucksstärker - und menschlicher - als je zuvor. Im Unterhaltungs-Paket aus Humor, Action und etwas Figurenzeichnung taucht kurz aus den Nebeln gigantischer Landschaften und Massengräber mit einem weit entwickelten, friedlichen Volk eine Öko-Saga im Geiste von „Avatar" auf. Letztlich fällt dem Film aber nicht mehr ein als überzogene, hirnlose Action wie auf Drogen. Die bislang zügig erzählte, interessante Interpretation des Trash-Klassikers wird in der letzten halben Stunde zu richtig schlechten Film. Fortsetzung inklusive.

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