29.3.17

Ghost in the Shell (2017)

USA 2017 Regie: Rupert Sanders mit Scarlett Johansson, Takeshi Kitano, Michael Pitt, Juliette Binoche 107 Min. FSK: ab 16

Den zahllosen Fans des epochalen Animes „Ghost in the Shell" von Mamoru Oshii („The Sky Crawlers") aus dem Jahre 1995 braucht man nicht zu erzählen, wie richtungweisend dieser Zeichentrick-Science Fiction nach einem Manga von Masamune Shirow ist. Nicht nur für die Gattung, sondern auch für die Philosophie der Künstlichen Intelligenz. Die Cyberpunk-Saga zählt zu den weltweit bekanntesten Sci-Fi-Reihen. Der Original-Manga, der zwischen 1989 und 1997 in Japan erschien, hat unter anderem mehrere Anime-Kinofilme und Anime-Serien inspiriert. Avancierte Tricktechnik ermöglichte nun ein Realfilm-Remake des Klassikers. Doch der Versuch, den Geist des Manga in menschliche Körper zu verpflanzen, scheitert auf ganzer Linie. Heftige Abstoß-Reaktionen zeigen sich gerade da, wo zu viel Charakter ins Aktieren gelegt wird.

Das seltsam Uninspirierte dieser Neu-Verfilmung beginnt schon beim chronologischen Erzählen: Am Anfang steht die Schöpfung von Major (Scarlett Johansson) aus dem Gehirn einer verunglückten Frau und einem komplett künstlichen Körper. Eine Sensation, selbst in einer Zeit, in der Cyber-Upgrades für die Menschen erstrebenswertes Luxusgut sind. Nun wird sie als Waffe für eine staatliche Kampftruppe eingesetzt, wobei der Hightec-Konzern Hanka, der Major schuf, im Hintergrund weiter die Strippen zieht. Als führende Wissenschaftler von Hanka ermordet und zuvor ihre Gehirne gehackt werden, sucht Major den Verantwortlichen. Gleichzeitig hofft sie hinter das Geheimnis der Trugbilder zu kommen, die sie immer wieder irritieren.

Das Visionäre der Vorlage von Masamune Shirow zeigt sich auch darin, dass sich das populäre Bild von Künstlicher Intelligenz in den letzten zwei Jahrzehnten nicht großartig weiter entwickelt hat. Die Technik des Films hat jedoch in dieser Zeit Quantensprünge gemacht, was im Falle dieses aufwändigen „Upgrades" nur Äußerlichkeiten statt neuer Visionen bietet.

Scarlett Johansson („Lost in Translation", „Lucy") ist von Anfang an mehr Mensch als Maschine, trotz ihres betont maskulinen, eckigen Gangs. Der französische Akzent einer überdramatischen Juliette Binoche („Die Wolken von Sils Maria") irritiert sehr. Stars funktionieren hier als Stars und schaden der Geschichte. Mit Ausnahme von Japans Superstar Takeshi Kitano („Outrage Beyond"), der als Chef der Eingreiftruppe ultracool mit altmodischem Colt und trockenen Sprüchen begeistert. Hier zeigt sich, dass Reduktion und Konzentration bei Figuren und Ausstattung im Zeichentrick dem Geist der Geschichte wesentlich besser entsprechen.

Erst mit dem Auftritt von Michael Pitt („7 Psychos") als deformierter Cyber-Versuch Kuze kommt das Drama entwendeter Identitäten wuchtig ins Bild. Ein Spiel mit Spiegelungen und Selbstreflexionen tritt dann aber schnell für das menschelnde Finale zurück. Das ist alles selten beeindruckend, gerät auch mal an den Rand des Peinlichen und bleibt in seiner Wirkung selbst weit hinter dem Oldie „Blade Runner" zurück. Von allem Aufwand für zukünftige asiatische Stadt-Welten mit gigantischen Werbe- und Koi-Hologrammen in den Straßen bleiben nur die schwer bewaffneten Sicherheitspatrouillen eines militarisierten Alltags hängen. So hat dieses Riesen-Projekt mit millionenschweren Stars und Rechenpower tatsächlich weniger Geist als ein zwanzig Jahre alter Zeichentrick.

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