28.3.17

A United Kingdom

Großbritannien, Tschechien, USA 2016 Regie: Amma Asante mit David Oyelowo (Seretse Khama), Rosamund Pike (Ruth Williams), Jack Davenport (Sir Alistair Canning), Tom Felton 111 Min.

Die Londoner Büroangestellte Ruth Williams (Rosamund Pike) verliebt sich 1947 in den schwarzen Jura-Studenten Seretse Khama (David Oyelowo). An sich schon ein Skandal, nicht nur für ihren stockkonservativen Vater. Auf den Straßen der britischen Hauptstadt wird das gemischte Paar angepöbelt, die Prügel gibt er als geübter Boxer direkt zurück. Allerdings ist Seretse auch der zukünftige König von Bechuanaland (heute: Botswana), einem britischen Protektorat im Norden von Südafrika. Und so reist als Folge dieser Liebe tatsächlich ein Botschafter aus Südafrika extra nach London, um die Heirat zu verhindern. Denn solch eine Verbindung würde ja die Regeln der frisch etablierten Apartheids-Gesetze verletzen.

Nein, dies ist nicht Eddie Murphys „Prinz aus Zamunda", denn „A United Kingdom" schafft es als bewegend schöner Liebesfilm, zwei Seiten Rassismus und die Komplexität von britischem Post-Kolonialismus im Süden Afrikas zu zeigen. Der Regisseurin Amma Asante, die schon mit „Dido Elizabeth Belle" (2013) enorm beeindruckte, gelingt ein großer, emotional außerordentlich starker Film.

In wenigen, schmeichelnden Bildern erzählt sie eine schöne Liebesgeschichte mit rührendem Heiratsantrag nach nur 15 Minuten. Weil damit die Probleme erst anfangen: In der Familie eines rassistischen Händlers und beim Stamm in Bechuanaland. Seretses Onkel (Terry Pheto), der den Thron für seinen Neffen verwaltete, ist nicht mit der weißen Frau einverstanden. Rassismus und Engstirnigkeit zeigt sich auf beiden Seiten. So gerät das Königreich von britischen Gnaden zum Spielball geopolitischer Interessen, denn Südafrika lenkt als Lieferant von unter anderem Uran die Außenpolitik des Weltreiches. Die extrem hochnäsige Arroganz der britischen Verwalter verbannt Seretse aus seinem eigenen Land und trennt ihn so von seiner schwangeren Frau.

Bei „A United Kingdom" hört sich schon die reale Geschichte an wie ein Märchen, in dem Seretse Khama schließlich die Demokratie erzwingt und dann selbst erster Premierminister wird. (Sein Sohn beerbt ihn sogar später als vierter Premier.) Das hat in Bild und Schauspiel einen Hauch von „Jenseits von Afrika", ist aber trotz der großen Liebe des Paares kein kitschiges Hollywood-Melodram. Dafür sorgen die Figuren von David Oyelowo („Selma") und Rosamund Pike („Gone Girl"), die alle Gefühle ohne Überhöhung nachfühlbar machen. Während der Kämpfer für die Freiheit seines Landes in London verzagt, wird Ruth Khama in einem einsamen Kampf zur Mutter des Landes. Amma Assante verlagert geschickt den Focus zu einer sehr starken Frau. Das größte Kunststück dieses Films ist allerdings, wie er gekonnt die große Liebesgeschichte verführt und dabei nebenbei sehr präzise Lektionen in Sachen Geschichte und Rassismus einflicht. Und selbst dabei gibt es ein Happy End: Dank seiner Diamantminen zählt Botswana heute zu den wohlhabenderen und stabileren Staaten Afrikas.

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