5.1.15

St. Vincent

USA 2014 Regie: Theodore Melfi mit Bill Murray, Melissa McCarthy, Naomi Watts, Chris O'Dowd, Jaeden Lieberher 103 Min. FSK: ab 6

Bill Murray wird heilig gesprochen - und darf endlich noch einmal in einer echten Hauptrolle richtig die Sau rauslassen! Bis zum Abspann ein sehenswerter Einsatz als „Bad Sitter", auch wenn die Handlung am Ende viel zu nett wird.

Ein Baby-Sitter, der seinen zwölfjährigen Schutzbefohlenen mit in Strip-Bars und zur Pferderennbahn nimmt, ihm dazu auch noch erklärt, wie er seinem fiesen Mitschüler die Nase brechen soll... Der heruntergekommene Vincent (Bill Murray) ist ein Grauen für Eltern und ein grandioses Vergnügen auf der Leinwand. Ein alter Griesgram aus Brooklyn und ein herrlich asozialer, saufender und herumhurender Außenseiter. Sowie ein Meister des Aneckens, sei es beim Bankpersonal, das ihm seine Pleite erklärt, oder bei der neuen Nachbarin Maggie (Melissa McCarthy). Die landet nach einer Trennung mit ihrem Adoptivsohn Oliver (Jaeden Lieberher) vor allem verzweifelt in der Nachbarschaft. Ihr Ex ist Anwalt, deshalb muss Maggie viel zu viel arbeiten und Oliver vernachlässigen. Der gewitzte, aber kleine Junge muss wiederum ganz auf sich gestellt mit der neuen Schule, Mobbing und Quälgeistern zurecht kommen.

In all das passt Vincent so herrlich gar nicht hinein: Als Oliver im Sportunterricht Klamotten, Geld, Schlüssel und Handy geklaut wurden, strandet er beim Nachbarn - trotz dessen Widerstands. Bis Maggie spätabends nach Hause kommt, kann der mürrische Alte nur angebliches Sushi zum Essen anbieten. Es sind die Sardinen seiner geliebten Katze. Dies immerhin ein erstes Zeichen eines großen Herzens hinter der rauen Schale. Es kommen noch einige, teils sehr rührende hinzu, sodass Oliver seinen großen Freund am Ende in einem Schulvortrag als Heiligen des Alltags vorstellt, als St. Vincent...

Diese Entwicklung hört sich nun schlimmer an, als sie tatsächlich im Kino erlebt wird. Das liegt zum einen an einer lebendigen Handlung, die noch eine schwangere russische Prostituierte (Naomi Watts), einen nur begrenzt geduldigen Geldeintreiber und einen atemberaubend komischen wie unorthodoxen Priester (Chris O'Dowd) untermischt. Vor allem aber sind all diese Rollen exzellent besetzt und ausgespielt im Debütfilm des ehemaligen Werbemannes Theodore Melfi. Melissa McCarthy („Tammy - Voll abgefahren", „The Nines") hält ihr Ulknudel-Potential mächtig zurück, Naomi Watts („Diana", „Tödliche Versprechen - Eastern Promises", „King Kong") glänzt erneut mit russischem Dialekt und kaum wiedererkennbar mit glaubwürdiger Verkörperung der schwangeren Prostituierten Daka. Chris O'Dowd macht aus seinem Kirchenmann Brother Geraghty lustvoll einen klugen, offenherzigen Unterstützer Olivers, dem Religion erfrischend egal ist. Die Krönung ist selbstverständlich Bill Murray, der eine sagenhafte Szene nach der anderen unvergleichlich hinlegt. Nur für ihn lohnt sich der Film und man muss ihn eigentlich mehrmals sehen, um zu entscheiden, welcher Moment besonders toll ist. Ein Favorit ist der Abspann (auch auf YouTube), in dem Murray Bob Dylans „Shelter From the Storm" singt ... na ja: mitspricht.

Das entschädigt für ein sehr harmonie-süchtiges Ende mit eigentlich schön ungewöhnlicher Patchwork-Familie, bei der die Außenseiter zu sehr gerade gebogen wurden. Das geriet zwar rührend, aber auch zu brav.

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