12.1.15

Annie (2014)

USA 2014 Regie: Will Gluck mit Quvenzhané Wallis, Cameron Diaz, Jamie Foxx, Rose Byrne 118 Min.

Zu vermelden ist neben einem anständigen Remake des „Annie"-Filmmusicals aus dem Jahre 1982 vor allem ein zweiter sensationeller Auftritt von Quvenzhané Wallis. Das zwölfjährige Mädchen hat schon in der Indie-Urgewalt „Beasts of the Southern Wild" als Hushpuppy begeistert und beeindruckt nun jenseits des Grabens im Hollywood-Hochglanz mit sympathischer Erscheinung und super Gesangsnummern.

Wer die Lieder der 80er-Annie noch im Ohr hat, ist sofort begeistert. Denn wenn auch Handlung und Umgebung eines New Yorks mit städtischem Leihrädern voll modernisiert sind, Nummern wie „It's The Hard-Knock Life" reißen immer noch mit. Etwas ernster in der rührseligen Geschichte des Waisenkindes Annie ist der Wandel nicht nur ihrer Hautfarbe. Auch der nur anfangs menschenfeindliche Millionär Will Stacks (Jamie Foxx), der Annie hier aus Publicity-Gründen aufnimmt, ist Afroamerikaner und will Bürgermeister von New York werden. Er verteilt gratis Mobiltelefone seines Medienkonzerns, gibt sich volksnah, hat aber genauso viel Angst vor Bazillen wie vor seinen Mitmenschen. Da kann nur die Annie helfen mit ihrer immer positiven Lebenseinstellung und ihrem (fast) nie versiegenden Optimismus. Jeden Freitag wartet sie geduldig vor dem italienischen Restaurant, in dem sie als Baby gefunden wurde, doch die Chance, dank Starks aus der Betreuung der biestigen Miss Hannigan (Cameron Diaz) zu entkommen, ergreift das gewitzte Mädchen sofort.

Angetrieben von der bekannten Musik unterhält das Musical-Märchen in Schwarz und Weiß ausgezeichnet. Wenn die Handlung zu vorhersehbar wird, sind immer noch reichlich kleine Details zu entdecken oder im Vergleich zu bemerken: „Hard-Knock Life" läuft nun beispielsweise mit modernen Wischmobs und selbstverständlich mit Mülltrennung ab. Gesellschaftskritischer wirken deutliche Hinweise, dass diese Gratis-Handys nur private Informationen klauen wollen. Wobei die Totalüberwachung sich bei der finalen Verfolgungsjagd als Glücksfall erweist. Im Gegensatz zur Inszenierung, die hier dann doch billig wird.

Es bleiben die netten kleinen Lebensweisheiten Annies: „Ich glaube, wenn Menschen Nein sagen, haben sie nur Angst, Ja zu sagen." Dass man so etwas ohne Schreikrampf akzeptiert, liegt auch an der Überzeugungskraft von Quvenzhané Wallis. Sie wird im Medienrummel - des Films - ein schon zu großer Star, einige der Sanges-Nummern wirken vielleicht zu professionell. Aber vor allem sind sie sehr, sehr gut gemacht. Selbstverständlich gibt es - wie immer bei heutigen Remakes - viele bunte, schnelle Schnitte, viele Effekte und Multimedia, dafür weniger Raum für den Charme der Hauptdarstellerin. Am Rande überzeugen auch Cameron Dias komödiantisch als heruntergekommene und versoffene Ex-Sängerin, Jamie Lee Foxx als Medien-Mogul mit dem Herz am rechten Fleck und als seine herzliche Assistentin sehr bemerkenswert, Rose Byrne, der junge Star aus „Damages". Allerdings wird man sich an all diese Menschen einmal erinnern, als „die in einem Film von Quvenzhané Wallis mitgespielt haben."

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