14.12.14

The Homesman

USA 2014 Regie: Tommy Lee Jones mit Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Hailee Steinfeld, Meryl Streep, John Lithgow, Miranda Otto, Sonja Richter, James Spader 123 Min. FSK: ab 16

Der „Man in Black" reitet wieder: Nach „Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada" inszenierte Tommy Lee Jones auch seinen zweiten eigenen Film als Western. Und erneut ereignet sich in rauer Umgebung ein erstaunliches Exempel menschlichen Handelns: In der Mitte des 19. Jahrhunderts bricht die alleinstehende Farmerin Mary Bee Cuddy (großartig: Hilary Swank) vom eiskalten Wilden Westens Nebraskas auf, um drei Ehefrauen des Dorfes (Miranda Otto, die Dänin Sonja Richter und die TV-Schauspielerin Grace Gummer), die wegen der Umstände und wegen ihrer Männer wahnsinnig wurden, in eine Pflegeanstalt der Zivilisation zu bringen. Die mutige Mary Bee liest als Begleiter den amoralischen Briggs (Tommy Lee Jones) auf, eine jämmerliche Gestalt, die sie vom Galgen abknüpft. Während Cuddy bei der Fahrt zwischen Indianern und Gaunern Wärterin, Pflegerin und Psychiaterin ist, bleibt Briggs ein sturer Dickschädel, großartig gespielt von Tommy Lee Jones, der wieder einen außergewöhnlichen, unbedingt sehenswerten Film realisierte.

Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) ist eine energische Frau, die Haushalt und Farm ebenso generalstabsmäßig organisiert wie die Werbung um einen Ehemann. Nicht einfach in der barren Wildnis Nebraskas zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Die resolute Art der allein lebenden Farmerin fordert zwar Respekt, wirkt aber auch komisch, wenn ihr Antrag von einem groben, ungehobelten Cowboy brüsk abgelehnt wird.

Der Regisseur Tommy Lee Jones macht aus dem Auftritt dieser erstaunlichen Frau und auch aus jeder weiteren Szene etwas Besonderes. Dabei ist die Reise an sich samt den Begegnungen mit Gaunern und Indianer schon außerordentlich genug. Doch jede Szene, jede Figur und dazu noch deren Entwicklungen wirken, als wenn der Western erst gestern erfunden wurde. Oder zumindest von Jones kenntnisreich ausgemistet. Er selbst wandelt sich von einer trostlosen Gestalt zum fast freiwillig pflichtbewussten Retter. Dabei nimmt der Regisseur Jones jedoch die Figur des Schauspielers Jones über eine lange Strecke sehr zurück. Der noch erstaunlichere, heldenhafte und tragische Persönlichkeit der Mary Bee Cuddy bleibt hängen. Aber auch die Schicksale der wahnsinnig gewordenen Frauen, die in Rückblenden eingeflochten sind. Und deren Erholung schon bei dieser Reise durch die Extreme, denn anfangs muss Cuddy extra eine Kutsche mit Eisenketten ausstatten lassen, weil die Geschundenen sich wie Tiere jeder Annäherung widersetzen.

So wie „Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada" ein Plädoyer gegen die wohl weltweit verbreitete schändliche Behandlung von Flüchtlingen und Einwanderern war, ist „Homesman" trotz des Titels ein Frauen-Film, genauer: ein Frauen-Western mit unanständigem Anstands-Cowboy als Begleitung. Nebenbei spiegeln sowohl das feige Trauerspiel der Männer in der Kirchengemeinde in Nebraskas Wildnis als auch die fiesen Immobilienhaie auf der Strecke den Zustand der Gesellschaft wieder. Was einem heute sehr vertraut vorkommt. So kann man verstehen, dass Briggs, nach fünf langen und lebensgefährlichen Wochen in der Zivilisation angekommen, ihr sofort wieder den Rücken kehren will.

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