14.12.14

Serena (2014)

USA, Frankreich, Tschechien 2014 Regie: Susanne Bier mit Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Rhys Ifans, Toby Jones, David Dencik 110 Min. FSK: ab 12

Soll man dem Ruf dieser blonden Sirene folgen? Trocken Brot und (Ränke-) Spiele in den Wäldern von North Carolina, sind doch was anderes als die „Panem"-Filme, aus denen man Jennifer Lawrence kennt. Aber sie glänzte ja auch in „American Hustle" und in „Silver Linings". Von daher noch ein Grund, sich den neuen Film von Susanne Bier anzusehen. Doch ausgerechnet die exzellente dänische Regisseurin von „Love is all you need" oder „Nach der Hochzeit" verirrt sich zwischen Melodram und historischem Sittenbild.

Smoky Mountains am Ende der Zwanziger Jahre. Wolken liegen auf den bewaldeten Flanken der Hügel von North Carolina, die Natur wirkt weit und unberührt. Doch die Holzfäller von George Pemberton (Bradley Cooper) fressen sich immer tiefer ins Dickicht. George steht seinen Mann, wenn er mit großem Körpereinsatz das Leben eines Arbeiters rettet, aber auch als reicher Land- und Aktienbesitzer auf dem Parkett der besseren Gesellschaft. Dort entdeckt er Serena Pemberton (Jennifer Lawrence), eine eigenständige Frau mit dramatischer Vorgeschichte. Beide finden sich in leidenschaftlicher Liebe und Sehnsucht nach Freiheit in der Natur.

Nach der Hochzeitsreise beeindruckt Serena das kleine Dorf im Wald schlagkräftig mit dem Holzfällerbeil und klug mit ihren Wirtschafts-Kenntnissen. Nur Georges heimlich homosexueller Geschäftspartner Buchanan (David Dencik) bleibt bei seinen Vorbehalten. Als Sheriff McDowell (Toby Jones) den Wald zum Nationalpark umwandeln will und Serena eine Fehlgeburt erleidet, kommt es zu tödlichen Konflikten, bei denen der schweigsame Jäger Galloway (Rhys Ifans) eine mythische Verbindung zu Serena entdeckt.

Eine Waise, die wie ein Geist in den verkohlten Ruinen ihres Familiensitzes gefunden wurde. Mythische Momente wie Georges Jagd auf den letzten Bergleoparden der Gegend. Ein schöner Stoff für ein großes Drama in aufregenden Zeiten. Durch die Bankenkrise vom Schwarzen Freitag wurden die Aktien von George wertlos, selbst die letzte Ausflucht, das Land in Brasilien, ist bedroht. Zu den Herausforderungen der großen Welt gesellt sich ein privater Vertrauensbruch.

Doch seltsamerweise bekommt Susanne Bier, die aus eher alltäglichen Geschichten umwerfende Dramen wie „Nach der Hochzeit" mit Mads Mikkelsen, „Brothers" und „In einer besseren Welt" machte, diesen Stoff nicht gezähmt. Vielleicht weil diesmal das Drehbuch nicht von ihr oder Anders Thomas Jensen („The Salvation", „Adams Äpfel") stammt. Christopher Kyle schreib es nach dem Roman „Serena" von Ron Rash. So verführt „Serena" mit großartigen Bildern, einem Hauch der Last Frontier-Freiheit des Western, eigentlich gutem Spiel von Lawrence als Lady Macbeth im wilden Westen und einigen tollen Momenten. Müsste eigentlich genug für einen hervorragenden Film sein, doch da das Einzelne nicht zu einem überzeugenden Ganzen zusammenfindet, enttäuscht dieser Bier-Film nicht nur wegen zu hoher Erwartungen an eine der besten Regisseurinnen unserer Zeit.

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