15.12.14

Die Wolken von Sils Maria

Frankreich, Schweiz, BRD 2014 (Clouds of Sils Maria) Regie: Olivier Assayas mit Juliette Binoche, Kristen Stewart, Chloë Grace Moretz, Lars Eidinger, Angela Winkler, Hanns Zischler 124 Min. FSK: ab 6

Einer international gefeierten Schauspielerin wird ein Bühnen-Remake angeboten, das ihr persönlich zu nahe geht und welches sie, da die Hauptrolle eine jüngere bekommt, mit dem fortschreitenden Alter und dem Wandel der Zeit konfrontiert. Was Olivier Assayas in seinem neuen Film „Die Wolken von Sils Maria" anlegt, klingt zufällig sehr ähnlich wie die Geschichte der alternden Schauspielerin von Julianne Moore in Cronenbergs „Maps to the stars". Doch auch wenn Assayas' Film ebenso mit Stars angefüllt ist, wie die düstere Hollywood-Satire, der französische Arthouse-Star diskutiert ganz andere Themen mit anderen Mitteln.

Mit diesem Stück wurde Maria Enders (Juliette Binoche) vor 20 Jahren berühmt. Sie spielte die Rolle der Sigrid, einer verführerischen junge Frau, die auf ihre Vorgesetzte Helena eine ganz besondere Faszination ausübt und sie schließlich in den Selbstmord treibt. Nun soll Enders auf Wunsch von Regisseur Klaus Diesterweg (Lars Eidinger) jedoch die Helena spielen. Zudem ist als Sigrid Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz) vorgesehen, ein junges Starlet aus Hollywood, das vor allem Skandale und ebenso blöde wie erfolgreiche Filme machte. Wer diese Jo-Ann Ellis ist, muss der Enders erst ihre voll vernetzte Assistentin Valentine (Kristen Stewart) erklären.

Der Film von Assayas ist, obgleich weitgehend undramatisch, gleich mehrfach doppelbödig. Denn auch im Stück, das Maria mit Assistentin Valentine in der Berghütte bei Sils Maria und unter freiem Himmel einstudieren, geht es ja um einen Star und die Assistentin. Beim Textlernen weiß man oft nicht, ob sich die beiden in ihrer Rolle befinden oder direkt kommunizieren. „Die Wolken von Sils Maria" ist dabei mit vielen Dialogen ein Kammerspiel, auch wenn Hotels, Theater und die Alpen mit ihrer Naturbühne den Hintergrund bilden.

„In welcher Welt lebst du eigentlich?" fragt Valentine einmal und es findet tatsächlich fortwährend eine Diskussion zwischen Hoch- und Pop-Kultur statt, für die Assayas selbst eine Super-Helden-Parodie als Film-im-Film drehte. Die Diskussion verläuft offen, keineswegs als Spott alter Koryphäen wie Woody Allen über die flache Nachwelt. Da muss schon mal der Begriff Mega-Star aus der Teenie-Szene erklärt werden, aber erstaunlich und interessant schlägt sich Assayas eher auf die jüngere Seite. Mehr noch als die Superheldin-Darstellerin Jo-Ann Ellis, die Maria junges Alter ego spielen soll, steht ja Kristen Stewart (bekommt die etwas arrogante Assistentin sehr gut hin) als „Twilight"-Star für Hollywood und die Franchise-Formeln, die unsere Kinos verstopfen.

Im Schaulaufen von hervorragenden und ernsthaften Schauspielern wird der Rang von Assayas deutlich und sein Thema mit ihrer Herkunft verortet. Hanns Zischler und Angela Winkler stehen für den Neuen Deutschen Film. Dass Lars Eidinger (schrecklich synchronisiert) einen jungen Regisseur spielt, ehrt noch einmal den aktuellen deutschen Film. Dies und viele andere Verweise bis zum Bergfilm von Arnold Fanck und selbstverständlich Nietzsche, an den man bei Sils Maria ja auch an denken muss, sind nur eine Referenzebene des dichten und sicher inszenierten Kopffilmes, der für einen - nicht typisch französischen - Redefilm auch noch gut aussieht und lebendig wirkt.

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