21.12.14

Die Entdeckung der Unendlichkeit

Großbritannien 2014 (The theory of everything) Regie: James Marsh mit Eddie Redmayne, Felicity Jones, Maxine Peake, Charlie Cox, Emily Watson 123 Min. FSK: ab 0

Die Theorien des britischen Physikers Stephen Hawking kann kaum jemand verstehen. Doch vielleicht könnten wir ihn als Person verstehen? Über den nur auf den ersten Blick ungewöhnlichen Ansatz der Biografie „Travelling to Infinity: My Life with Stephen" von Jane Hawking, der Ex-Ehefrau Hawkings.

Im Cambridge des Jahres 1963 erleben wir Stephen (Eddie Redmayne) als lebenslustigen Kosmologen: Etwas linkisch, aber sehr überzeugend in seiner Nerdigkeit. Schon beim ersten Treffen mit der Literaturwissenschaftlerin Jane (Felicity Jones) wird deutlich, sie sind beide nicht auf den Mund gefallen. Wobei sein Mund mit einem großen Lächeln schon früh ein späteres Markenzeichen andeutet. Zur Liebesgeschichte gibt es schöne Aufnahmen von Erde und Himmel, dem wissenschaftlichen Höhenflug folgt ein böser Sturz und die Diagnose: Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Als ihm der Arzt nur noch zwei Jahre Leben gibt, fragt Stephen, was währenddessen mit seinem Gehirn passiert. Dies bliebe verschont, aber niemand würde seine Gedanken mitbekommen! Jane lässt sich nicht von Stephens Seite verjagen. Er schafft eine außerordentliche Doktorarbeit, bei der Feier mit Freunden es jedoch nicht die Treppe hoch.

Nun, dass Hawking seitdem Bestseller schrieb und bald 73 Jahre alt wird, sei hier vorweg verraten. Wie eine leidenschaftliche Liebesbeziehung und später eine tiefe Freundschaft dem Genie dabei halfen, erzählt „Die Entdeckung der Unendlichkeit" gefühlvoll, mit Witz und vor allem mit einem grandiosen Hauptdarsteller. Eddie Redmayne, der in „Les Misérables" schlecht und in „My Week With Marilyn" bemerkenswert eingesetzt wurde, imitiert die typische Kopfhaltung, die Mimik, die restlichen Bewegungen des an seinen elektrischen Rollstuhl gefesselten Wissenschaftlers. Und in diese gute Wiedergabe einer sehr bekannten Person legt Redmayne immer noch viel eigenes Gefühl und besonderen Ausdruck.

So kann Hawking mit Witz und Wehmut sowie mit einem Bier in der Kirche eine neue Stufe einer ganz besonderen Dreiecksbeziehung besiegeln, die er und Jane mit Jonathan, dem jungen Kantor der Kirche, pflegen. Wie erleben nicht nur große und großherzige Menschen, Inklusion auf besonderen Niveau und den Mensch hinter den Theorien von „A brief history of Time". Es ist auch - aus der Perspektive der Ex - eine große Liebesgeschichte, die im Moment der Trennung besonders bewegend wird.

Man darf dabei nicht erwarten, dass die wirkliche Last dieser Krankheit, das mühsame Anziehen, die Toilettengänge und so vieles mehr auch nur angedeutet ins Bild kommt. Dafür hat der Film keine Zeit, er will anderes erzählen. Genau deshalb werden auch die Dialoge später eingekürzt: Mit wenigen Klicks seiner verkrampften Hände drückt Stephen Hawking über seinen Sprachprozessor nun ganze Sätze aus. Doch für deren Witz und für deren Gedanken nimmt man die Verkürzung gerne in Kauf, das verschmitzte Lächeln Hawkings dabei noch lange im Kopf.

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