17.11.14

Einer nach dem anderen

Norwegen, Schweden, Dänemark 2014 (Kraftidioten / In Order of Disappearance) Regie: Hans Petter Moland mit Stellan Skarsgård, Bruno Ganz, Pål Sverre Valheim Hagen, Jakob Oftebro, Birgitte Hjort Sørensen 117 Min. FSK: ab 16

Ein über alle Maßen sorgfältiger Schneeräumer kommt von der Bahn ab und zieht eine blutige Spur durch den Schnee. So sieht es aus, wenn Tarantino mit den Coen-Brüdern in den Ski-Urlaub fährt.

„Bürger des Jahres" ist er, der umsichtige Schneeräumer Nils (Stellan Skarsgård). Die Ehrung ist dem stillen Norweger unangenehm, wohl fühlt er sich auf seiner Monster-Maschine im Angesicht von vielen Tonnen Schnee. Ein paar Gramm vom anderen Schnee stellen dann sein Nils auf den Kopf: Aus heiterem Himmel wird sein Sohn ermordet, er ist auf dem kleinen Provinzflughafen in einen Drogenschmuggel geraten. Was nun folgt, lässt blutige Rache-Filme blass aussehen und coolste Killer wie nervöse Anfänger. „Einer nach dem anderen" lässt gleich eine ganze Branche aussterben und unterhält nach der Devise „Jeder Schuss ein Lacher". Trockener und tiefschwarzer Humor passen hier sehr gut zusammen.

Während seine Ehe aufgrund des traumatischen Ereignisses den Bach runter geht, forscht Nils wenig zimperlich nach den Hintergründen des Mordes. Dabei stellt er sich einerseits sehr geschickt an, ein wahres Naturtalent im Killer-Gewerbe. Zudem vermutet bei den Profis auch niemand den effektiven Sensemann hinter der Fassade eines braven Schneeschippers. So beginnt parallel ein heftiger Bandenkrieg zwischen den hippen einheimischen Gangstern und der serbischen Bande unter Führung von Bruno Ganz.

Die skandinavische Produktion von Hanns Petter Moland („The Beautiful Country", „Ein Mann von Welt") heißt international „In order of disappearance" und „in der Reihefolge des Verschwindens" tauchen auch die Namen der Schauspieler auf, deren Figuren vom wütenden Schneepflugfahrer Nils dahingerafft werden. Das sind reihenweise Gangster mit einem Twist, oder Spleen oder Tick. Oder gleich alles gleichzeitig. Hier gehen schon die richtig schmissigen Gangster-Namen humorvoll schief, wenn der Chinese ein dänischer Killer ist. Ein veganischer Clown ist Oberboss der einen Truppe, will seinen Sohn organisch ernähren und biologisch oder freilaufend erziehen, während er die Mutter verprügelt. Doch da ist die Sache schon zu einem brutalen Bandenkrieg über sich selbst hinausgewachsen.

Ein großartig aufspielender Stellan Skarsgård als gnadenloser Rächer und gnadenlos witzige Dialoge, etwa wenn sich die Deppen der Drogen-Mafia gar nicht uninteressant darüber unterhalten, wie staatliche Wohlfahrt mit dem Klima des jeweiligen Landes korreliert. Zwischendurch bekommt ein Spielberg-Zitat mit mörderischem (Schnee-) Truck eine ganz besondere Wucht. Neben der klasse Story dieser originell ausgeführten Thriller-Komödie beeindruckt „Einer nach dem anderen" auch mit der Schönheit des Schneepflügens und dem Spiel von Bruno Ganz, der zuletzt als serbischer Drogenboss mit vernarbtem Kehlenschnitt nur ganz leise Kommandos brummt. Eigentlich eine furchtbare Karrikatur, ganz nah an seinem größten Führer-Versteller aller Zeiten. Die kindliche Begeisterung jedoch, mit der sich die Figur von Ganz am Rande des Gemetzels an kleinen Dinger erfreut, ist ein großes Vergnügen.

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