26.11.14

Das Verschwinden der Eleanor Rigby

USA 2014 (The Disappearance of Eleanor Rigby: Them) Regie: Ned Benson mit Jessica Chastain, James McAvoy, William Hurt, Isabelle Huppert, Jess Weixler 123 Min. FSK: ab 6

Sie und er im Glück. Sie verlässt ihn. Er und sie leiden. Er versucht, sie wieder zu finden. Nicht die neueste Geschichte der Welt, aber Ned Benson gelingt es, den alten Hit mit zwei tollen Schauspielern und neuen Blicken auf New York wieder in die Herzen zu bringen. Die schöne und bewegende Geschichte um „Das Verschwinden der Eleanor Rigby" hat außerdem noch eine außergewöhnliche Vorgeschichte, von der wir hoffentlich bald mehr sehen werden.

„All the lonely people, where do they all come from?" Wie Eleanor Rigby (Jessica Chastain) und Conor Ludlow (James McAvoy) in ihre Einsamkeit gerieten, erfahren wir erst, nachdem wir mittendrin sind im romantischen Leiden und Sehnen. Dem leichten, romantischen Spaß der Eingangsszene einer von Glühwürmchen umspielten Liebe auf der Sommerwiese folgt im kalten Sonnenschein der Sprung von einer New Yorker Brücke in den Fluss. Die tieftraurige Eleanor wird zwar gerettet, doch aus dem Krankenhaus verabschiedet sie sich auf Nimmerwiedersehen von Conor. Der erreicht sie tatsächlich nicht mehr und auch sein kleines Restaurant geht den Bach runter. Während Eleanor sich bei Eltern und Schwester vor der Stadt einquartiert, was nur wir wissen, zieht Conor zum Vater, dem erfolgreichen Restaurant-Chef, der noch verschlossener ist als er.

„Das Verschwinden der Eleanor Rigby" bestand noch vor einem Jahr aus zwei Filmen, die mit „Her" und „Him" (sie und er) bezeichnet, beim Toronto Filmfestival mit getrennten Perspektiven hintereinander über 190 Minuten überzeugten. Sowohl in der Reihenfolge „Him and Her" als auch als „Her and Him". Jetzt vermisst man direkt die ganze Stunde, die im Zusammenschnitt namens „Them" (sie beide) fehlt, so berührend und glaubwürdig legt Regisseur und Autor Ned Benson die alte Leier noch einmal auf.

Vor allem Jessica Chastain wirkt in der Darstellung von Zerbrechlichkeit ungeheuer stark. Wie sie den leeren Blick durch das ziellose Leben von Eleanor schleppt, der Sinnlosigkeit trotzt, ist ein bitter-trauriges Vergnügen. Dazu ist das Umfeld der beiden Hauptdarsteller eindrucksvoll besetzt: William Hurt als Eleanors Papa und Psychoanalytiker, der all sein Können in einer Szene eines späten Geständnisses zeigt. Isabelle Huppert (mit furchtbarer Dialekt-Synchro) als distanzierte Mutter, immer mit einem Glas Rotwein in der Hand.

„Ich kenne dich nicht." „Ich mich auch nicht." Mit solchen, eher das Alltägliche als das Existenzielle treffenden Dialogen erdet Benson die Liebesgeschichte im Vergleich zu künstlichen perspektivischen Spielereien wie von Alan Ayckbourn („Smoking" / „No Smoking"). „Eleanor Rigby" wirkt einen Touch echter als Hollywood-Dramen, spielt mit Handkamera auf Straßen, die nicht alle abgesperrt wurden und findet trotz des oft abgefilmten New Yorks frische und tolle Aufnahmen. Und auch das großartige andere Lied in diesem anderen Liebes-Film, der nach einem Lied benannt ist, eine sagenhafte Pianoversion von Bowies „Wild is the wind", ist ein Glücksmoment in dieser ganzen Reihe von Scherbenhaufen, die sich Leben nennen. (Selbstverständlich gibt es auch eine Erklärung der Beatles-Referenz im Titel.) „Eleanor Rigby" hat nicht die Nettigkeit anderer romantischen Komödien oder Tragödien, ist ziemlich bitter. Wir halt das Leben manchmal. Und die Kunst macht es trotzdem zum bitter-süßen Genuss.

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