26.11.14

Auf das Leben!

BRD 2014 Regie: Uwe Janson mit Hannelore Elsner, Max Riemelt, Sharon Brauner, Aylin Tezel, Andreas Schmidt 90 Min. FSK: ab 12

„Als ich klein war, wollte mich dieses Land mit allen Mitteln ermorden. Jetzt wo ich alt bin, stecken die mich in ein Zimmer mit Gittern und ohne scharfe Ecken und Kanten, nur damit ich mich nicht umbringe." „Eine positive Entwicklung, würde ich sagen." Es sind Dialoge wie dieser, die im neuen Films von Film- und Tatort-Regisseur Uwe Janson zünden.

Die alte Cabaret-Sängerin Ruth Weintraub (Hannelore Elsner) wird „geistig und organisch gesund" in die Psychiatrie gesteckt, weil sie sich nach Pfändung und Umzug in ein furchtbares Wohnsilo umbringen wollte. Es rettet sie der wohnungs-, ziel- und auch bald arbeitslose Möbelpacker Jonas (Max Riemelt). Jonas hat sich bei den ersten Anzeichen von Multipler Sklerose, an der auch seine Mutter starb, von seiner Freundin abgesetzt und flieht jetzt der Angst. Nun ähnelt Jonas aber auf verblüffende Weise Ruths großer Liebe, dem Filmstudenten Victor, was eine Flut von Erinnerungen auf die alte Dame und den verzweifelten Jungen niederprasseln lässt.

Selten wurde eine Rückblende exakter eingesetzt wie hier mit einem rückwärts laufenden Filmprojektor, der Victors Film über die junge jiddische Sängerin Ruth (Sharon Brauner) zeigt. Von da aus geht es in einem schwarzweißen Albtraum noch weiter zurück zur Deportation ihrer jüdischen Eltern und der eigenen Flucht mit Hilfe von Partisanen. Die stolze Frau, Paraderolle für Elsner, die ihr Leben lang als Holocaust-Überlebende stark war, knickt kurz ein, hat dann doch aber genug Energie, um das Selbstmitleid von Jonas zu vertreiben.

„Ich kenn mich damit nicht aus, mit dem ganzen jüdischen ..." „Keine Sorge, ist nicht ansteckend." So sarkastisch, wunderbar spöttisch, wäre die dringend notwendige Erinnerung ein Spaß, wenn die Albträume vom Holocaust nicht so furchtbar wären. Uwe Janson versucht nach einem Buch von Thorsten Wettcke beides zu verbinden und kann auf gute Darsteller bauen. Das ist teils trauriger Liebesfilm, teils einfacher, zu einfacher Mutmacher von und für Überlebende. Dabei sind die problematischen Eckdaten gut gesetzt: Mathieu Carrière als Judenjäger und in der Nachkriegsrepublik gefeierter Fotograf des Schreckens. Das Problem eines Pazifisten mit der Rache einer Entrechteten. Doch mit einem schmissigen Lied und einer sehr ästhetischen Schluss-Einstellung das Weiterleben feiern, ist als Lösung wirklich sehr einfach.

Produzentin Alice Brauner setzt mit „Auf das Leben" die Erinnerungs-Arbeit ihres Vaters fort, des legendären, mittlerweile 96 -jährigen Produzenten hunderter Filme und CCC-Studio-Gründers Atze Brauner. Die junge Ruth spielt übrigens sehr schwungvoll und lebendig Sharon Brauner, eine Nichte Atze Brauners.

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