27.10.14

Pioneer

Norwegen, BRD, Schweden, Frankreich, Finnland 2013 Regie: Erik Skjoldbjaerg mit Aksel Hennie, Stephanie Sigman, Dahl Torp, Jørgen Langhelle, André Eriksen, Wes Bentley, Stephen Lang 107 Min. FSK: ab 12

Norwegen ist mit seinen Öl-Funden eines der reichsten Länder der Welt geworden. Aber liegen am Grunde dieses Reichtums vielleicht Leichen vergraben? „Pioneer", diese sensationelle spannende und ästhetisch faszinierende Film-Überraschung aus Norwegen mit der luftigen Musik von „Air", entstand nach einer wahren Geschichte, bei der die echten Tauch-Pioniere zwar ihr Gerichtsverfahren um Schadensersatz gegen den norwegischen Staat verloren, aber 2011 vor den europäischen Gerichtshof in Straßburg zogen. Ein endgültiges Urteil steht noch aus.

Anfang der 1970er-Jahre versucht Norwegen seine riesigen Ölvorräte in der Nordsee zu erschließen. Doch dazu müssen Taucher in bisher nicht praktikablen Tiefen Pipelines zusammenschweißen. Petter (Aksel Hennie) und sein Bruder Knut (André Eriksen) gehören zu den Pionieren, die norwegische Politiker und Industrielle gerne als erste hunderte Meter unter dem Meeresspiegel sehen wollen. In Druckkammer-Tests haben sie zwar schon mal Halluzinationen, doch sie bekommen den Vorzug vor den Amerikanern, die auch im Team sind und das Projekt technisch leiten. Aber der erste richtige Tauchgang endet katastrophal, Knut stirbt. In der zweiwöchigen Dekompression danach baut sich noch ein ganz anderer Druck in der Kammer aus. Petter, ein jähzorniger, sturer Kerl will die Schuldfrage klären, weiß aber selbst nicht, was eigentlich geschehen ist. Während er mehr und mehr Blackouts hat, entwickelt sich die Suche nach den Ursachen immer mehr zum Psycho- und Polit-Thriller. Jorgen, der Dritte im Team, bekommt epileptische Anfälle und verschwindet nach Spanien. In Petters Boot wird eingebrochen und ein amerikanischer Kollege rammt sein Auto. Wird der dickköpfige Einzelgänger völlig wahnsinnig oder ist er einer großen Verschwörung und der Geschichte einer schmutzigen Industrie-Spionage auf der Spur?

„Pioneer" erzählt von Spionage, Betrug und Verbrechen am Grunde der ersten Tiefseebohrungen Norwegens. Mit einer ganz eigenen Ästhetik steht der Thriller in der Tradition us-amerikanischer Aufdeckungs-Krimis. Man kann sich dabei auch nüchtern überlegen, ob man vielleicht tatsächlich über Leichen gehen muss, wenn man keine Öl-Kolonie der USA werden will. Doch vor allem baut „Pioneer" mit Hochdruck und mit klaustrophobischen Tauchaufnahmen brillant Hochspannung auf. Packend sind auch die spannenden Auflösung und Perspektiven des Films, seine sehr eindrucksvolle Ästhetik unter und über Wasser (Kamera: Jallo Faber). In seinen dunklen Stimmungen erinnert er immer mal wieder an das isländisch-norwegische Meisterwerk „The Deep" von Baltasar Kormákur, in dem ein Fischer stundenlang im eiskalten Meer umhertreibt. Diesmal vermischt sich das Poetische im Wasserspiel der Lichtbrechungen mit knallharten politischen Fakten zu einem immer wieder poetischen Polit-Thriller. Viel Tiefgang - in jeder Art - hat auch „Pioneer" bis zum Hochdruck-Finale als Kammerspiel, mit ganz eigener, neuer Bedeutung des Wortes.

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