11.8.14

Dido Elizabeth Belle

Großbritannien 2013 (Belle) Regie: Amma Asante mit Gugu Mbatha-Raw, Tom Wilkinson, Sam Reid, Sarah Gadon, Emily Watson, Miranda Richardson 104 Min. FSK: ab 6

Im Jahr 1769 wird die zwölfjährige Mulattin Dido Elizabeth Belle nach dem Tod der Mutter vom Vater, einem britischen Admiral zur See, bei ihrem Onkel Lord Mansfield (Tom Wilkinson) abgegeben. Eine Schwarze im Hause eines Adeligen großziehen, noch dazu des höchsten Richters des Landes? Doch! Nach kurzer Diskussion wird klar, dass hier Blutrecht alle anderen Regeln und Konventionen überragt. Schließlich hat Belle (Gugu Mbatha-Raw) als anerkannte Tochter einen gesetzlichen Rang in der Erbfolge. So wächst sie zusammen mit Elizabeth Murray (Sarah Gadon), einer anderen, weißen Nichte Mansfields in behüteter, luxuriöser Umgebung auf, genießt eine exzellente Ausbildung. Zwar darf sie, wenn Gäste kommen, nicht mehr am Familientisch sitzen, doch nachdem bald die gegenseitige Liebe regiert, spielt Rassismus nur noch eine Nebenrolle.

Erst als die beiden Nichten ins heiratsfähige Alter kommen und in der Londoner Öffentlichkeit paradieren, schlägt Belle unverschämte Diskriminierung entgegen. Dabei ist ihr Lebensstandard durch das Erbe des mittlerweile auf See verstorbenen Vaters gesichert. Nur Elizabeth braucht eine „gute Partie", während die Außenseiterin mit einem mittellosen Juristen über eine Liebesheirat nachdenken kann. Aber ausgerechnet dieser John Davinier (Sam Reid) ist Mansfields Gegner im landesweit diskutierten Fall eines Sklavenhändlers, der seine kranke „Ware" auf See ermordete, um das Versicherungsgeld zu kassieren. Ein Fall, der die Grundlage zur Sklaverei erschüttern könnte.

„Dido Elizabeth Belle" erzählt nicht nur eine erstaunliche Geschichte. Der großartige Film der Regisseurin Amma Asante verblüfft immer wieder mit dem starken, mutigen Auftreten einer doppelten Außenseiterin: Denn nicht nur als Dunkelhäutige, auch als Frau scheint Belle prädestiniert, zum Besitz anderer zu werden, wie ihre Leidensgenossin Elizabeth irgendwann erkennt. Doch mit Hilfe einer ungewöhnlichen Fügung, aber auch mit ihrem eigenen Mut und dem ihrer Familie, kann die von vielen Verachtete eine emanzipierte, unabhängige Position erkämpfen. Gerade aber dass Mansfield in der rechtlichen Frage des Sklavenschiffes dieser Mut zu fehlen scheint, macht den Film durchgehend spannend. Denn auch andere Figuren wurden faszinierend ambivalent gezeichnet. Die historischen und rechtlichen Hintergründe sind so genau, dass sich die übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung auflöst.

Gerade weil Belle selbst an diesen Möglichkeiten zweifelt und sie erst langsam versteht, ist dieser in fast allen Rollen exzellent gespielte Kostümfilm so glaubhaft. Viele feine, eindringliche Momente, wie die zögerliche Begegnung Belles mit einem schwarzen Hausmädchen, und die perfekte Verbindung des privaten und des öffentlichen Themas machen „Belle" zu einem herausragenden Ereignis. Zudem trifft Mansfields Rede vor dem obersten Gericht exakt heutige Zustände, in denen wieder Konzerngewinne wichtiger als Menschenleben sind. Ein Grund mehr, diesen klugen und sehr bewegenden Film unbedingt zu sehen.

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