30.6.14

Große Jungs

Frankreich 2013 (Les gamins) Regie: Anthony Marciano mit Alain Chabat, Max Boublil, Sandrine Kiberlain, Mélanie Bernier 98 Min. FSK: ab 6

Da sitzt er im bunten Bälle-Bad, der Mitt-Fünfziger und Midlife-Krisler Gilbert (Alain Chabat). Neben ihm in der Junggesellen-Bude das Schlagzeug und ein Lebens-Chaos, von dem er sich längst verabschiedet hatte. Wie er mit dem zukünftigen Schwiegersohn Thomas wieder in eine wilde Phase ungeregelten Trieblebens verfällt, ist durch viele verrückte und überzogene Szenen viel spaßiger als ähnlich gelagerte US-Komödien der ewigen Unreife.

Schon der große Auftritt von Musiker Thomas (Max Boublil) von der Garderobe auf die Bühne einer .... Hochzeitsfeier, spottet der Hauptfigur. Als der klägliche französische Singer-Songwriter mit einem sehr simplen Liebesliedchen dabei die nette Mélanie Bernier (Lola) begeistert, zeigt der Film jedoch auch viel Sympathie für diesen witzigen Träumer, der mit einer Reihe von komischen Momenten mit Lola bis zum großartig und genial inszenierten Heiratsantrag kommt.

Die Begegnung mit dem künftigen Schwiegerpapa, dem schlapp durchhängenden Gilbert, führt Thomas allerdings auf Abwege. Zusammen entdecken sie beim Einkauf im Supermarkt mit einer ausführlichen Weinprobe wieder die „Lust for life" und kiffen gleich noch zusammen auf dem Kinderspielplatz. Wenn der Vater mit dem (Schwieger-) Sohne einmal ausflippt, werden gleich zwei Träume von Musikerkarrieren wiederbelebt und eine Weile scheint, es als solle sogar Iggy Pop das dünne Liedchen „Je t'aime" vom ziellosen Jüngelchen aufnehmen.

Gilbert kürzt seiner Frau die Entwicklungshilfe für Afrika und lebt mit viel Vergnügen auf. Dem Zukünftigen rät er mehrfach ab, die Tochter und überhaupt zu heiraten. So finden sich alle im Quartett bald völlig losgelöst vom Partner in neuen und alten Freiheiten. Lola und Mama Suzanne (wieder ein Genuss: Sandrine Kiberlain) bekommen die lang vermissten Eigenschaften ihrer Partner in Fleisch und Blut an ihre Seite gestellt - eine umwerfende Horrorvorstellung! Thomas' Liedchen wird zwischen ausschweifenden Partys mit der Musiker-Szene von einer frechen Göre unerträglich verhunzt. Die Nacht, in der alle frei sind und ihre Träume ausleben können, steckt wie der gesamte Film voller herrlicher Überzeichnungen. Nicht nur, dass ein noch recht junger Mann eine Midlifecrisis durchlebt, zeigt den etwas ungewöhnlichen Humor dieses Films. Schon von Anfang an treffen die regressiven Herren überall gleich Frustrierte vom erst steifen, dann besoffenen Weinhändler bis zum zu jungen und zu spießigen Dealer. Unter viel witzig Überzogenem und nett ausgespielten Standards aus Boulevard-Komödien finden sich zusätzlich einige Komödien-Perlen. Thomas' umwerfende Simultan-Übersetzung eines wütenden iranischen Politikers auf einer großen Atom-Konferenz ist eine wunderbar uneigentliche und damit umso sympathischere Liebeserklärung.

Überhaupt ist diese eigentlich alberne Männer-Emanzipation selbst erfreulich jung geblieben und traut sich dementsprechend etwas. Der Spaß der großen und kleinen Jungs beim Spaß haben, kommt glaubhaft rüber. So liebenswert und witzig wird „Sei du selbst" nicht oft vorgelebt.

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