30.6.14

Eine ganz ruhige Kugel

Frankreich 2013 (Les invincibles) Regie: Frédéric Berthe mit Atmen Kelif, Gérard Depardieu, Virginie Efira, Daniel Prévost 99 Min. FSK: ab 6

Lange schien es, als würde Gérard Depardieu seiner Karriere mit seltsamen Wechseln bei Staatsbürgerschaft und Wohnsitz die Kugel geben. Nun wird er bei „Eine ganz ruhige Kugel" für ein Pétanque-Spiel zum Algerier und zeigt in zweiter Reihe recht ruhig, was er schauspielerisch noch kann. Das ist einer von vielen interessanten Punkten einer zu wechselhaften Komödie mit zu vielen Themen und Tönen.

Vorhersehbar wie ein Hütchenspieler geht das Betrüger-Trio an der Cote d'Azur beim Boule-Spiel vor. Jacky Camboulaze (Gérard Depardieu) verzockt erst fast alles mit einem Partner, der bald völlig besoffen ausfällt. Dem zufällig gefundenen Ersatz Momo (Atmen Kelif) wird als „Araber" nicht zugetraut, dieses ur-französische Spiel zu beherrschen. Doch er wirft die Kugel sagenhaft gut und sahnt den hohen Wetteinsatz ab.

Dass Momo zwar sensationell Pétanque spielt, aber sogar in der „Nationalmannschaft" noch rassistisch zum Balljungen degradiert wird, ist das große Thema dieser ruhigen Komödien-Kugel, die in unruhiger Bahn verläuft. Die ganze alten Freunde, der verschuldete Jacky und der hoffnungsvolle, junge Momo, haben viele Tricks im Spiel und kein Glück bei den Frauen. Die große Weltmeisterschaft eines eitlen Stars soll die Lösung aller (Geld-) Probleme sein, doch die Vorbehalte und Sabotagen der „echten", also echt miesen und ignoranten Franzosen sind massiv. Nur die resolute und emanzipierte Marketing-Frau Caroline Fernet (Virginie Efira), bei deren erster Begegnung mit Momo schon die Funken fliegen, hält zu ihm. Dabei vereint beide nicht nur die unterdrückte Position in einer rassistischen, sexistischen und elitären Gesellschaft.

So unvermittelt wie die Sozial-Kritik in einer ansonsten recht übersichtlichen Komödie kommt auch Momos Abschiebung in ein Algerien, dass er als in Frankreich geborener Franzose noch nie gesehen hat. Doch dort blitzen auch ganz stille starke Momente abseits des Genres auf. So wie die Bilder des groben Konzept plötzlich sehr ausgewählt Depardieu nächtlich in trauriger Gestalt vor einer Bar zeigen. Auf ihn ist in seinen Szenen als väterlicher und selbstloser Freund Verlass. Ebenso auf den Hauptdarsteller, Ko-Autor und Ideengeber Atmen Kelif: Ein guter, glaubhafter Komödientyp unter vielen anderen Witzfiguren. Dafür und für das megakitschige Final-Bild, in einer Ballerei, die längst nicht mehr interessiert, gibt es noch ein paar extra Sympathie-Punkte.

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