8.4.14

Super-Hypochonder

Frankreich, Belgien 2013 (Supercondriaque) Regie: Dany Boon mit Dany Boon, Alice Pol, Kad Merad, Jean-Yves Berteloot 107 Min. FSK: ab 6

Boonerie ist eine Allergie, die sich nach Angaben von Hausärzten und Krankenhäusern immer weiter ausbreitet. Die heftigen Abwehrreaktionen auf die Clownerien des französischen Schauspielers Dany Boon sind umso besorgniserregender, als schon wieder ein Film mit den gleichen Grimassen aufgetaucht ist: Als „Super-Hypochonder", als Grenzer in „Nichts zu verzollen" (2010) oder als Postbote in „Willkommen bei den Sch'tis" (2008) - Boon inszeniert sich selbst zuverlässig als immer gleicher Boon.

Google ist der beste Freund des Hypochonders - für jedes Symptom gibt es eine furchterregende Krankheit. Romain Faubert (Dany Boon) nutzt sie ausgiebig, zudem verbraucht er Industrie-Mengen an Desinfektionsmitteln. Praktischerweise hat der eingebildete Kranke noch den Arzt Dr. Dimitri Zvenska (Kad Merad) als Freund, der jedoch eigentlich die Nase voll. Dabei nimmt er ihn glatt bei sich zuhause auf und bemüht sich auch mit der Partnersuche. Doch dann findet Romain bei der Silvesterfeier nicht wie geplant endlich eine Freundin, sondern verprügelt die Gäste von Dimitri. Das ist fast schon eine Action-Szene, wie der Hypochonder aus Angst vor Ansteckung zu Silvester jeden niederstreckt, der ihn küssen will. In der Metro wird er als Actions-Künstler missverstanden, wenn er im akrobatischen Slalom jeden Kontakt mit den Haltestangen und -Griffen vermeidet. Und während seiner Arbeitszeit als Röntgenassistent springt er schon mal selbst in die Röhre, um noch eine spaßige Magnetresonanztomografie durchzuführen. Ergebnis: ein schlaffer Scherz.

Von diesen Boon-Blödeleien gibt es noch eine Handvoll. Im Grimassieren - ob übertrieben heulend oder lachend - hängt der französische Kassenstar glatt Jim Carrey im Nervigsein ab. Davor rettet einen nur stellenweise die Inszenierung, etwa wenn ein Date gleich am ersten Abend im Psycho-Stil und passender Musikbegleitung unter der Dusche endet, weil es die neue Bekanntschaft mit der Hygiene überhaupt nicht genau nimmt.

Doch spätestens da war wohl allen klar, dass die Witzchen für eine Filmformel nicht ausreichten und man hängte der Komödie des modernen eingebildeten Kranken noch eine Verwechselungsgeschichte an: Von Dimitri zu einem Flüchtlingslager mitgeschleppt, ergibt sich ein Passtausch samt nachfolgender Verwirrungen mit dem tscherkistanischen Rebellenführer Anton Miroslav (Jean-Yves Berteloot). Romain landet damit endlich bei Dimitris Schwester Anna (Alice Pol), die in der Flüchtlingsarbeit engagiert ist und den vermeintlichen Helden bewundert. Und im Visier der Polizei, die ihn schließlich in irgendeinen unhygienischen, pro-russischen Knast ausweist.

Als vermeintlicher osteuropäischer Kämpfer darf sich Boon mit sprachlichem Kauderwelsch - seiner Spezialität - in Heldengeschichten ergehen, um direkt danach vor einem vierbeinigen Fiffi Reißaus zu nehmen. Mit Kad Merad ergibt sich wieder das Sch'ti-Duo, doch reicht der Spaß diesmal längst nicht an die sehr überschätzte Kaff-Komödie heran. Im luftleeren, höchstens viren-geschwängertem Raum der ersten Filmhälfte läuft sich der mit vielen Banalitäten aufgemischte Boon-Brachialhumor gänzlich tot. Weniger wäre mehr, das gilt für jeden Boon-Film und auch für das Boon-Werk insgesamt, dass nur stellenweise „bon", also gut ist.

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