8.4.14

Stiller Sommer

BRD 2013 Regie: Nana Neul mit Dagmar Manzel, Ernst Stötzner, Victoria Trauttmansdorff, Marie Rosa Tietjen, Arthur Igual 86 Min. FSK: ab 6

Still könnte dieser Sommer an einem der deutschen Ferienplätze in Frankreich vor allem sein, weil Kristine (Dagmar Manzel) keine Stimme mehr hat, als sie ins Urlaubshäuschen der Familie einfällt. Dabei die Tochter Anna (Marie Rosa Tietjen) mit dem lokalen Liebhaber Franck (Arthur Igual) überrascht. Kristine schweigt weiter - was eine sehr reizvolle Idee ist - und wirft Franck einen bedeutungsvoll interessierten Blick zu. Sie bekommt ihn auch scherzhaft zugeschanzt und nach ausgiebigem Feiern und einem berauschenden Pilzexperiment betrügt die reife Frau ihre Tochter und ihren Mann Herbert (Ernst Stötzner), der mittlerweile eingetroffen ist, gleichzeitig. Auch bei den französischen Bekannten verschieben sie die Beziehungen. Was scheinbar locker genommen wird, doch einige Reaktionen lassen nicht übersehen, dass hier heimlich einiges passiert ist.

Die zweite großartige Idee von „Stiller Sommer" ist ein Perspektivenwechsel nach fast einer Stunde: Ab hier erleben wir die Geschichte mit Herberts Augen. Er, der wie ein großer Junge im Leben herum tappst und unerträglich fürsorglich und vorsichtig vielleicht mal ein bisschen drüber reden möchte, sorgt für die weiteren Überraschungen, die einen schon mal sprachlos machen können. Autorin und Regisseurin Nana Neul gelingt in einem Milieu, das schon Ades „Alle Anderen" aus der ZDF-Verstaubheit aufgeweckt hat, mit raffinierter Geschichte und fast durchgehend tollen Schauspielern für ein reizendes emotionales Erlebnis. Ihre Inszenierung beschränkt sich zurückhaltend auf genau das Richtige.

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