21.4.14

Gabrielle - (k)eine ganz normale Liebe

Kanada 2013 (Gabrielle) Regie: Louise Archambault mit Gabrielle Marion-Rivard, Alexandre Landry, Mélissa Désormeaux-Poulin, Vincent-Guillaume Otis 103 Min. FSK: ab 6

Gabrielle ist Zweiundzwanzig, fröhlich und sehr emotional, macht begeistert in einem Chor mit. Der findet in Montreal, im Zentrum Les Muses statt. Eine Institution, die eine professionelle Ausbildung in Schauspiel, Gesang und Tanz für Menschen mit Behinderung anbietet. Denn Gabrielle (Gabrielle Marion-Rivard) hat das Williams-Beuren-Syndrom (WBS), einen seltenen genetischen Defekt auf einem Abschnitt vom Chromosom 7. Was sie keineswegs an einem glücklichen Leben hindert. Erst als die ältere Schwester Sophie (Mélissa Désormeaux-Poulin) nach langem Überlegen doch zu ihrem Freund und zu einem gemeinsamen Projekt nach Indien ziehen will, macht das Gabrielle zu schaffen. Denn gerade jetzt will sie selbständiger werden, von der betreuten in eine eigene Wohnung ziehen. Weil sie sich verliebt hat. In den ebenfalls behinderten Martin (Alexandre Landry) aus ihrem Chor.

Während die Selbständigkeit von Gabrielle und die Selbstverständlichkeit ihres Lebens mit anderen eine ganz normale Liebesgeschichte ergeben würden, meint Martins Mutter, behinderte Frauen müssen sterilisiert sein. Denn Sex ist in dieser kanadischen Behinderten-WG längst kein Tabu mehr, Aufklärung gehört auch hier dazu. Und bei einer Party schlafen Gabrielle und Martin auch in irgendeinem Hinterzimmer miteinander. Was die überführsorgliche Mutter ausrasten lässt und ein Kontaktverbot zwischen die Liebenden legt.

Gabrielle erlebt eine Liebesgeschichte mit Hindernissen und eine schwere Trennung von der geliebten Schwester, die sich schon immer um Gabrielle gekümmert hat, während die Mutter international Karriere machte. Das Drama zwischen diesen Frauen ist ebenso stark wie die mutigen Versuche, noch mehr Selbständigkeit zu erkämpfen. Wie die junge Frau im Liebesüberschwang einfach mal Martin bei dessen Arbeit besuchen will und dann doch die Orientierung in der Großstadt verliert, wurde raffiniert inszeniert, indem beispielsweise eine verzerrte Tonspur die andere Wahrnehmung von Welt nachvollziehbar machen will. Überhaupt wirken die Lieder hervorragend in diesem Film, beim Liebesbekenntnis per Karaoke, beim Handlungsfaden um den kanadischen Star Robert Charlesbois, der mit dem Chor zusammen eine Aufführung plant. Dies korrespondiert mit den Eigenschaften vieler Menschen mit WBS: Zu ihren Besonderheiten zählt eine bereits in den ersten Lebensjahren ausgeprägte starke Sensibilität für unterschiedliche Geräusche und Klänge. Außerdem haben Kinder und Erwachsene mit WBS eine ganz besondere Liebe zur Musik.

So ist „Gabrielle - (k)eine ganz normale Liebe" ein ganz normaler Liebes- und Emanzipationsfilm - gelungen, aber nicht herausragend. Gabrielle Marion-Rivard, die selbst das Williams-Beuren-Syndrom hat, überzeugt in der Hauptrolle. Allerdings ist vieles gemäßigt und nicht übermäßig dramatisch ausgespielt, selbst das Finale, das wohl groß sein sollte, ist vor allem nett, sympathisch und wird von einer tollen Musiknummer gekrönt.

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