14.4.14

Dom Hemingway

Großbritannien 2013 Regie: Richard Shepard mit Jude Law, Richard E. Grant, Demian Bichir, Emilia Clarke 93 Min.

„Dom Hemingway" ist verfickt unterhaltsam und falls Ihnen dieser Satz nicht gefällt, dann ist der Film schon mal gar nichts für Sie. Die große Jude Law-Show beginnt mit einem langen, erregten Penis-Monolog, der nach Eigen-Einschätzung seines Autors Nobelpreis-würdig sei und auch noch somalische Kinder vor dem Hunger retten würde. Panzerknacker Dom Hemingway - Jude Law mal wieder in einer schmierigen Großkotz-Rolle - ist seit zwölf Jahren im Knast und dort der King. Bei seiner Entlassung geht er innerhalb eines Liedchens flotten Schritts zum Typen, der in der Haftzeit mit seiner Frau geschlafen hat, macht Bolognese aus seinem Gesicht (Zitat Hemingway), dann erst gönnt er sich eine Zigarette und etwas social talk.

Klar, dieser Mann hat echte Probleme, seine Wut zu kontrollieren, dazu kommen große Mengen Alkohol. Damit versaut er sich fast die Belohnung für zwölf Jahre Schweigen, als er seinen mittlerweile sehr reichen Kompagnon (Demian Bichir), der ihn belohnen will, heftigst in einem erlesen gemeinen Wortschwall beleidigt. Dom Hemingway ist echt ein Poet - für nicht unbedingt poetische Zustände. Hunter S. Thompson liest sich dagegen wie ein stammelnder Grundschüler. Und diese Szenen sind Paraden der Schauspielkunst, große Nummern, wie sie DeNiro bei Scorsese hinlegt. Doch letztendlich versaut das Schicksal Dom das Abkassieren ... wenn man es Schicksal nennen kann, nachts vollbetrunken am Steuer eines Autos stehend in den Gegenverkehr zu knallen. Das Geld ist mit der Geliebten des Kompagnons weg, neue Jobs gibt's nicht, weil die Safes mittlerweile elektronisch gesichert sind und Doms Tochter (Emilia Clarke) will nicht mit ihm reden.

Moment mal - eine Tochter? Genau, die vernachlässigte, die ihre Mutter allein pflegen und beerdigen musste, weil Papa im Knast saß. Der typische, filmische Gangster-Britpop im Stile von „Trainspotting" und vielen, vielen Nachfolgern bekommt hier plötzlich die Kurve in eine ganz andere, rührend private Geschichte. Wie überhaupt Regisseur und Autor Richard Shepard („Mord und Margaritas" mit Piecre Brosnan, 2004) ganz bewusst einige Klischees vermeidet. Etwa den letzten großen Raubzug, oder sowieso einen Überfall. So kann Dom, während man noch abwägt, ob er den gleichen Weg wie die „Drecksau" geht, erstaunlicherweise ganz anders Sympathien gewinnen.

Nachdem Dom also ausgeraubt, schwer verwundet und völlig fertig vor der Tür seiner Tochter Evelyn zusammen bricht, beginnt ein etwas anderer Film. Denn er hatte die ganze Zeit keine Angst, einen der gefährlichsten Männer Europas zu beleidigen, aber wohl seine Tochter zu sehen. Während die Kontaktaufnahme schwierig bleibt, freundet sich sein kleiner Enkel zuerst mit ihm an. Wobei Richard Shepard auch hier die Klischees weit links liegen lässt.

So trumpft „Dom Hemingway" bis zum sehr plötzlichen Ende mittendrin weiterhin mit großartigen Dialogen auf, in denen Dom nichts ohne seine rechte Hand Dickie wäre. Richard E. Grant gebührt hier die Ehre einer stoischen und herrlich overdressten Nebenrolle, die zu den Top-Nebenrollen ganz oben auf der Nebenrollen-Karriereleiter gehört. Dass auch er ziemlich übel vom Freund Dom angegangen wird und ihm trotzdem in Würde die Treue hält, sagt etwas über die menschlichen Ecken und Kanten dieses anfangs so ruppigen Gangster-Spaßes.

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