7.4.14

Die Bestimmung - Divergent

USA 2014 (Divergent) Regie: Neil Burger mit Shailene Woodley, Theo James, Ashley Judd, Zoë Kravitz, Kate Winslet 139 Min.

Nicht nur für die Kasse sind starke Frauen im Kino eine gute Sache. Auch der Rollenverteilung tun „Heldinnen" wie Jennifer Lawrence in der Panem-Trilogie oder Kristen Stewart in der „Biss"-Reihe sehr gut. Auch in diesen Club will die Figur der Beatrice „Tris" Taylor. Der - ähnlich wie „Die Tribute von Panem" - düstere Science Fiction „Divergent" hat als Auftakt einer Trilogie zwar den Look aber nicht die Eindringlichkeit der anderen Polit-Dystopie.

100 Jahre nach einem Krieg ist im hermetisch abgeriegelten Chicago alles geregelt, jeder hat seinen Platz. Die Menschen sind aufgeteilt in fünf Fraktionen: Altruan (die Selbstlosen), Ferox (die Furchtlosen), Ken (die Gelehrten), Candor (die Freimütigen) und Amite (die Freundlichen und Friedfertigen) heißen sie in kreativer deutscher Übersetzung. Beatrice Taylor (Shailene Woodley) wächst in einer Altruan-Familie auf, als aber ihr 16. Geburtstag naht und sie sich für eine der Gruppen entscheiden muss, fällt ein geheimer Test nicht eindeutig aus: Das Mädchen hat zu viele Fähigkeiten und ist damit eine Bedrohung für die streng geordnete Gesellschaft. Da jedoch angeblich jeder frei entscheiden können soll und Beatrice sich den Kämpfern der Ferox anschließt, muss der innere Konflikt der Hauptfigur für langweilige Übungen in Schießen und Prügeln zurücktreten. Nur wenn sie immer wieder mit chemisch erzeugten Albträumen in das Reich ihrer Ängste reist, fällt auf, dass sie andere als die begrenzten Mittel ihrer Kaste anwendet. Und die Visionen werden für alle sichtbar auf Monitoren nach draußen projiziert!

Derweil zeichnen sich politische Ränkespiele zwischen der Fraktion von Beatrices Eltern und der Ferox-Anführerin Jeanine Matthews (Kate Winslet) ab. Nicht nur bei der ziemlich hirnlosen Jubelmasse der Landesverteidiger, die irgendwie Lemmingen ähneln, gibt es immer mehr Zeichen eines totalitären Staates. Diese Wirrungen verstärkt und bekämpft schließlich Four (Theo James), der knackige Ausbilder von Beatrice. Womit auch für die Romantik gesorgt ist.

Wenn sich Beatrice und ihr Bruder in einer feierlichen Zeremonie für die Fraktion entscheiden, die fortan ihr Leben bestimmt, muss man direkt an den Entscheidungs-Tag von „Panem" denken aber auch an die Wahl eines „Hauses" bei Harry Potter. Und ganz in der Ferne winkt auch „1984". Das oft düstere Design ist fast so aufwendig fantastisch wie „Die Tribute". Die kritische Haltung gegenüber Obrigkeiten und Befehlen kommt einem ebenso bekannt vor: „Ihr seid Soldaten, keine Rebellen". Das ist eine Lehrstunde in Sachen politischer Manipulation, bei der ein Putsch „zum Wohle des Ganzen" unter dem typischen Vorwand abläuft. Das Finale lässt brav Liebe und Menschlichkeit siegen, definiert dabei Tyrannen-Mord neu.

Obwohl es ein paar mal Action gibt und auch Spannung - auf einem überschaubaren Niveau - ist der wenig unbestimmte „Divergent" vor allem ein Teenagerfilm mit einer weiblichen Hauptfigur. Mit Beatrice, die sich plötzlich entscheiden muss - was der Lebenssituation des jungen Publikums entspricht. Auch mit dem Gefühl, nicht richtig zu sein, nicht zu wissen, wo man hingehört, wird der Reihen-Auftakt Wiedererkennen hervorrufen. Letztlich passiert in fast zwei Stunden jedoch erstaunlich wenig. Meint Hollywood, das Publikum hat sich schon so an Dreiteiler (mit Verlängerung am Ende) gewöhnt, dass man ruhig einen lahmen Start abliefern kann? Doch immerhin gibt es eine weibliche, schwache, zweifelnde aber dennoch Action-Heldin, was den Film wieder sympathisch macht.

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