29.4.14

Beziehungsweise New York

Frankreich, USA 2013 (Casse-tête chinois) Regie: Cédric Klapisch mit Romain Duris, Audrey Tautou, Cécile de France, Kelly Reilly, Sandrine Holt 117 Min. FSK: ab 6

Romain Duris, Audrey Tautou, Cécile de France und Kelly Reilly wurden alle 2002 mit „L'Auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr" international entdeckt. Fünf Jahre nach diesem chaotischen, Erasmus-geförderten Auslandssemester in Barcelona gab es für die Hauptfigur Xavier (Romain Duris) ein „Wiedersehen in St. Petersburg", noch immer unsicher über den Weg des Lebens und die eigenen Schreib-Versuche. Nun erweitert der französische Regisseur Cédric Klapisch diese leichten, humorvollen und zunehmend lebensklugen Erasmus-Reisen mit „Beziehungsweise New York" in die USA.

Xavier (Romain Duris) führt alles andere als ein gradliniges Leben. Vor einem Jahr war sein Leben in Paris mit Traum-Frau Wendy (Kelly Reilly) noch einfach perfekt für das Familienfoto. Dann gibt er seinen Schreiber-Job auf, wird Samenspender für seine beste und lesbische Freundin Isabelle (Cécile de France) und Wendy betrügt ihn in New York. Um die Trennung von den beiden Kindern zu verhindern, zieht er ihr hinterher in den Big Apple. Xavier muss sich nicht nur in New York sondern auch noch im dortigen Scheidungsrecht zurechtfinden. Die Schein-Ehe mit einer netten Chinesin muss vor einem scharfen Immigrations-Beamten vorgetäuscht werden und die Ex Martine (Audrey Tautou) kommt mit ihren beiden Kindern hoffnungsvoll angereist.

Xavier fasst es selbst zusammen: Er lebte mit einer Britin, die für ihn nach Paris kam und jetzt einen Amerikaner heiratet, während er eine Chinesin zur Frau nimmt, um Amerikaner zu werden. Bis zur grandiosen und völlig kitsch-freien Familienzusammenführung gegen alle Erwartungen erzählt Cédric Klapisch die Wirrungen und Irrungen Xaviers mit viel Humor und reihenweisen witzigen Einfälle als Skype-Gespräch mit Xaviers Verleger in Frankreich. Der sympathisch orientierungslose Held wird bald Vierzig, der Ernst des Lebens droht irgendwo da draußen vor der Tür. Nachdem Erasmus in der „Auberge Espagnole" eine virtuelle Rolle hatte, unterhält sich der blockierte Schriftsteller nun mit Hegel über die Philosophie von Stickbildern, mit ihrer schönen Vor- und einer chaotischen Rückseite.

Das ist wunderbar rasch erzählt, mit vielen großartigen Szenen, etwa den bewegenden Besuch des Vaters (Regie-Kollege Benoît Jacquot), der nur seine eigene Geschichte sieht. Neben der kongenialen Besetzung der Hauptrolle mit Romain Duris, der ein Antoine Doinel der Eramus-Generation wird, begeistern alle Darsteller mit enormer Spielfreude. Wer wollte nicht schon mal sehen, wie Audrey Tautou auf Chinesisch diskutiert? Oder wie Cécile de France als ruppige Belgierin Isabelle besoffen im Stehen pinkelt? Dazu verzaubert Klapisch mit seinem Talent, den „Genius loci" seiner Handlungsorte zu finden. Immer wieder zum Ausschneiden und Aufhängen tolle Straßenszenen wechseln sich im munteren Stilmix ab mit kubistisch zusammengesetzten „Pictures" wie von David Hockney oder auch mit einem animierten Playboy.

„Beziehungsweise New York" ist (noch) nicht Truffauts Antoine Doinel-Zyklus, aber doch so etwas wie die „Before..."-Trilogie von Linklater. Oder einfach nur einer dieser Filme, in denen nicht Dramatischeres passiert als das Leben. Jeder sucht weiterhin - wie in Klapischs erstem Erfolg „sein Kätzchen" und sein Schätzchen. Als Zwischenstand seiner Lieben überlegen drei Frauen in der vielleicht schönsten Szene, welche die ideale für Xavier wäre. Wobei der Herausgeber in Paris weise wie Woody Allen kommentiert: Das Glück ist eine Katastrophe für die Geschichte, das Drama interessiert uns.

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