31.3.14

Rio 2 - Dschungelfieber

USA 2014 Regie: Carlos Saldanha ca. 101 Min.

Während gerade brasilianische Spezialtruppen die Favelas von Rio besetzten und wieder ein Bauarbeiter an den neuen Stadien dem Fußballgott geopfert wurde, erlebt „Rio", der beliebte Zeichentrickfilm für Kinder, eine zweite Auflage, die zu viel will und deshalb immer wieder abstürzt.

Blu und Jewel, das Liebespaar des ersten Teiles, haben mittlerweile drei Kinder und ein Penthouse-Nest in Rio. Das Stadt-Leben mit iPod, Pfannekuchen und TV könnte so weiter gehen, doch dann erfahren sie, dass ihre Menschen-Patin Linda im Amazonas-Dschungel eine ganze Kolonie der vermeintlich fast ausgestorbenen blauen Aras entdeckt hat. Nach einer nett chaotischen Flugreise, bei der sich Blu mit Bauchtausche, Navi und Schweizer Messer als naturfremdes Stadtkind auszeichnet, folgt die schwierige Konfrontation mit Schwiegerpapa, einem strengen Ober-Vogel mit militärischem Bürstenschnitt.

Nun muss der unsichere Flattermann Blu nicht nur mit der neuen Verwandtschaft, einem vermeintlichen Nebenbuhler und all dem Ungeziefer der Natur zurecht kommen. Es gilt auch noch, die benachbarten roten Aras auf Distanz zu halten und eine Horde illegaler Baumfäller zu vertreiben. Derweil veranstalten Blus Freunde eine umwerfend komische Dschungel Casting-Show unter dem Motto „All you can eat", Singen und gefressen werden. Die bedrohte Regenwald-Expedition von Linda ist ein weiteres Abenteuer. Ach ja, und der wütende Kakadu Nigel sinnt mit Ameisenbär Charlie und dem verliebten Giftfrosch auf Rache an Blu. Selbstverständlich wurde das ganze Bunte-Hühner-Ragout auch noch für das europäische Publikum mit krampfhaft reingezeichneten Fußballeinlagen angefüllt.

Ganz schön viel Tropenholz für einen einzigen, wenn auch langen Kinderfilm. Deshalb stolpert die durchgehende komische, nur kurz spannende Handlung auch dauernd vor sich hin. Wobei es vereinzelt zu atemberaubenden Flugtanz-Einlagen im Stile von „Fantasia" oder Busby Berkeleys Musicals kommt. Dann erreicht die Animation ungeahnte Höhen, gefolgt von quälendem Synchro-Gesang, der zum sofortigen Absturz führt. Während Schlager-Ulk Roberto Blanco dem Pop-Paradiesvogel Raffael einige Peinlichkeit anhängt, kann nur Christian Brückner seinen Kakadu Nigel mit der deutschen Stimme von DeNiro zusätzlichen Charakter verleihen. Dass ausgerechnet sein großartiger Auftritt bei einer „I will survive"-Nummer auch der deutschen Übersetzung zum Opfer fällt, ist unverzeihlich.

So bleibt Blu ein alberner Pechvogel und Unglücksrabe, selbst wenn alles im holperigen Mehrfach-Finale irgendwie gut ausgeht und der Held plötzlich Trottel, der Versager auf einmal Retter ist. So geriet das bunter Geflatter durch verschiedene Stadien und Qualitäten der Trickfilmkunst letztlich übervoll. überlang und zum Eigentor.

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