10.3.14

Non-Stop

USA, Frankreich 2013 Regie: Jaume Collet-Serra mit Liam Neeson, Julianne Moore, Anson Mount, Michelle Dockery 106 Min. FSK: ab 12

Den betrunkenen Flugkapitän hat uns Denzel Washington schon auf grandiose Weise hingelegt. Nun startet ein alkoholkranker Air-Marshall durch und Liam Neeson gibt mit starker Präsenz bei Non Stop-Spannung den Helden unter Terrorverdacht.

Bill Marks (Liam Neeson) ist der übliche Sicherheitsmann, der eigentlich selbst wegen seiner Trinkerei das größte Sicherheitsrisiko ist. So könnte er auch unten am Boden ein psychisch derangierter Polizist sein oder der Detektiv, der seine eigene Verderbtheit aufdeckt. Auch die Vorstellung der Passagiere von „Non-Stop" folgt sekundenschnell ermüdend dem Klischee solcher Katastrophen und Entführungsfilme - bis zum kleinen Mädchen mit Flugangst. Dass der eine arabisch aussehende Mann mit Kopfbedeckung sofort verdächtig und die anderen Mitflieger in nett und unsympathisch aussortiert werden, lässt einen fast noch vor dem Start aussteigen. Doch nachdem wir mit dem ebenfalls in Start-Panik befindlichen Bill Marks abgehoben sind, packt die Spannung effektiv zu.

Marks ist ein Air-Marshall mit Flugangst und der ungewöhnlichen Angewohnheit, auf der Flugzeugtoilette zu rauchen. Was besonders unpassend ist, wenn ein Unbekannter dies weiß und dem Aufpasser damit droht. Außerdem will der Erpresser alle 20 Minuten einen Passagier ermorden, wenn man ihm nicht 150 Millionen Dollar auf ein Nummernkonto überweist. Es liegt an Marks Personalakte, dass ihm zuerst keiner glaubt. Dass das Konto auf seinen Namen läuft, macht die Situation auch nicht einfacher. Ein erstes Handgemenge auf engstem Raum der Flugzeugtoilette verläuft raffiniert inszeniert. Ebenso die Tatsache, dass Marks dabei selbst den ersten Mord ausführt - an seinem Marshall-Kollegen, der auf die Seite des Erpressers wechselte.

Dann müssen bald der Pilot und der erste Passagier dran glauben. Dass der Aufpasser der Lüfte nach dem dritten Toten einen Drink und ne Zigarette braucht, wirkt albern, aber funktioniert hervorragend. Die doppelte Bedrohung, weil der Air Marshall von den Passagieren und Sicherheitsbehörden als Entführer angesehen wird (Buch: John W. Richardson , Chris Roach, Ryan Engle), sorgt immer wieder für das Scheitern möglicher Lösungen und hält die Identität des Erpressers lange geheim.

Liam Neeson(„96 Hours", „The Grey") hat auch in diesem Film eine körperliche Präsenz, mit der er ohne Waffe ein Flugzeug kontrollieren kann. Für Humor oder Ironie bleibt beim packenden Verlauf, der sich im Ablauf oft der Echtzeit annähert, keine Zeit. „Non-Stop" bietet bei Hoch-Spannung nur ganz wenige Minuten Action, ist ansonsten intensives Drama auf hohem Niveau. Neeson wird dabei vor allem von Julianne Moore unterstützt. Die SMS-Konversation mit den Drohungen sind ästhetisch reizvoll ins Bild eingeblendet, selbst mit ein paar Rissen, wenn der Bildschirm des Handy mal runter fällt.

Nach dem eher misslungenen Berlin-Thriller „Unknown Identity", den der spanische Regisseur 2011 Jaume Collet-Serra auch schon mit Liam Neeson inszenierte, findet er zu den Qualitäten von „Orphan - Das Waisenkind" (2009) zurück. Dass dies auch eine Joel Silver-Produktion ist, gilt jedoch seit längerem nicht mehr als Markenzeichen. Jenseits seiner Blockbuster „Nur 48 Stunden", „Brennpunkt L.A.", „Leathal Weapon" oder „Matrix" liefert Silver jedoch wieder spannende Unterhaltung ab.

Keine Kommentare: