18.12.13

Buddy


BRD 2013 Regie: Michael Herbig mit Alexander Fehling, Michael Herbig, Mina Tander, Jann-Piet Puddu 95 Min. FSK: ab 6

Er ist wieder da: Bully, der Buddy, der Kumpel des Publikums, den man seit „Wickie" (2008) nur noch als Darsteller etwa im „Hotel Lux" sehen konnte. Vielleicht auch gut so, denn „Buddy" zeigt, wie nervtötend es sein könnte, wenn einem Michael „Bully" Herbig auf Schritt und Tritt bespaßt. Wie den Helden dieser Romantischen Komödie mit verstecktem Musical. Der überflüssige, Sprudelkasper genannte Erbe eines Getränke-Herstellers wird wegen seines Schutzengels Buddy zuerst fast wahnsinnig und dann wahnsinnig verliebt.

Lisa (Mina Tander) ist die gute Seele der Heisenberg-Klinik, einem etwas zu fröhlichen Verein gutgelaunt dementer Senioren. Und das obwohl sie seit drei Jahren alleinerziehende Witwe und nicht mehr glücklich ist. Nun will sich die Pflegerin endlich mal wieder verlieben, aber auf keinen Fall in so jemanden wie den reichen Erben Eddie (Alexander Fehling), der ihr dauernd über den Weg läuft und fällt. Der war noch nie richtig verliebt, irgendwie „taubstumpf" wie er einer seiner Bett-Bunnys mal mitteilt. Da kann nur noch ein Schutzengel helfen. Allerdings ist Buddy (Michael Herbig), den nur Eddie allein sehen kann, ausgerechnet ein Anfänger in diesen Dingen. Allein in Sachen Liebe hat Buddy schon Erfahrung, denn er fragt, ob Eddie jemals eine Frau, die er wirklich liebt, in den Schlaf gestreichelt und ihr süßes Zucken gespürt habe.

Eddie, der Erbe eines einstmals sprudelnden Getränkekonzerns, hat nun nicht nur mit dem Gefühl, wahnsinnig zu werden, sondern auch mit seiner Playboy-Vergangenheit und den in seinem Loft zurückgebliebenen Bunnys zu kämpfen. Außerdem nimmt er die Empfehlung, Frauen mögen es, wenn Mann die Hosen runterlässt, zu wortwörtlich. Dem ersten gemeinsamen Abend von Lisa und Eddie, bei dem er so gerade noch die Kurve zu sich selbst bekommt, und ihrem ersten Besuch bei ihm, den er völlig vergeigt, folgt ein schnuckeliges Werben. Das ist, wie es sich für das romantische Genre geziemt, ganz herrlicher Kitsch und auch ganz schön witzig, wenn sie im Vorgespräch mal die Bedingungen für den ersten gemeinsamen Sex klären. Dann darf man vor lauter Liebesglück auch noch mal „Singing in the Rain" in Hamburgs schön ausgeleuchteten Straßen-Pfützen zitieren.

Michael „Bully/Buddy" Herbig inszeniert sich wieder als Komiker, als Witzfigur, die nur ganz am Ende als trauriger Clown ein Tränchen zerdrücken darf. Sichtbar viel Spaß haben ihm in dieser perfekt auf ihn zugeschnittenen Rolle die Musikeinlagen gemacht: Als Guildo Horn-Verschnitt, Karel Gott oder Stevie Wonder. Mit viel Geträllere ist der „Special Angel" nah dran an seinem Schutzbefohlenen, „Close to you" wie er ihm auf Schritt und Tritt ins Ohr trompetet.

Der, den niemand anderes sehen kann, ist so etwas wie „Mein Freund Harvey", der ein „Ghost - Nachricht von Sam erhält". Mit Auftrag von oben, wie er behauptet, diese Liebe „Made in Heaven" zustande zu bringen. Falls das nicht reichen sollte, wird die Große und Wahre Liebe noch über drei Generationen durchkonjugiert, eine rührende Geschichte im Altersheim und die Schwärmereien von Lisas Sohn Sammy (Jann-Piet Puddu) assistieren der großen Romanze.

Inszeniert ist der rasant-romantische Nerv mit dem Schutzengel, mit Selbstmordversuch und Action-Einlagen. Davon ist einiges richtig Hollywood-reif, die Verfolgungsjagd entlang eines sehr langen, zusammenbrechenden Gerüsts etwa, die auch einem Jackie Chan gefallen würde. In nicht ganz perfekter Bruce Willis-Manier klärt Eddie danach singend einen Banküberfall mit Geiselnahme. Oder das ganz große Musical-Finale, mit dem Eddie schließlich bei Lisa landet. Hamburg sieht hier zwar glänzend aus, aber im Gegensatz zur Western- („Der Schuh des Manitu") oder Science Fiction-Parodie („(T)Raumschiff Surprise - Periode 1") fallen die Mühen der Inszenierung dabei nicht so sehr ins Auge.

Michael Herwig zeigt also wieder, was es alles als Regisseur kann - eine ganze Menge. Das ergibt bei einigen wilden Drehbuchsprüngen und netten Ideen einen unterhaltsamen, mäßig gefühlvollen Film. Bei dem leider nicht alles 100-prozentig zusammenpasst.

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