2.12.13

45 Minuten bis Ramallah

BRD 2013 Regie: Ali Samadi Ahadi, mit Karim Saleh, Navid Akhavan, Julie Engelbrecht 87 Min. FSK: ab 12

Regisseur Ali Samadi Ahadi konnte schon nach seinem dritten Kinofilm „The Green Wave" als bemerkenswerter Filmemacher bezeichnet werden. Mit der Dokumentation über Irans Grüne Revolution spannte er sein „Werk" nach der wilden ost-westlichen Komödie „Salami Aleikum" und nach „Lost Children - Verlorene Kinder" (2005), dem Dokumentarfilm über das Schicksal von Kindersoldaten im Norden Ugandas, ziemlich weit. Nun also eine Komödie über die Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen jüdischen und arabischen Israelis sowie zwischen palästinensischen Widerstandsgruppen überhaupt. Auch „45 Minuten bis Ramallah" selbst steckt ein weites Feld ab, thematisch, aber vor allem stilistisch. Mit wechselndem Erfolg,

Der 30-jährige Rafik (Karim Saleh) ist Palästinenser mit israelischem Pass und würde niemals für die Hochzeit seines ungeliebten kleinen Bruders Jamal (der Iraner Navid Akhavan) heimkehren. Doch der Imbiss auf der Reeperbahn schmeißt den Koch raus, so fliegt er mit Anzug und Espresso-Maschine - beides geklaut - in die Konfliktzone. Damit ist die Familie ebenso beschrieben wie die regionale Konfrontations-Politik. Erst gibt es wie erwartet Streit mit dem Bruder, dann mit dem Vater, der sich dabei mit Herz-Infarkt von den Lebenden verabschiedet. Dieser Todesfall nach Hochzeit bringen die Brüder auf einen Trip nach Ramallah, wo Vater beerdigt werden wollte. Das liegt zwar Luftlinie nur 45 Minuten entfernt, doch auf dem Weg ins besetzte Palästina gibt es Grenzkontrollen und „Check Points", die besonders für palästinensische Israelis mit einer versteckten Leiche im Gepäck nur schwer überwindlich sind.

„Alle hassen sich wie die Pest, aber haben keine Ahnung warum", so kommentiert Heimkehrer im Off naiv die örtlichen Verhältnisse. In der palästinensischen Komödie aus Hamburg erleben die zerstrittenen Brüder mit dem Toten zwischen sich hüpfend nicht nur schlechten Straßen entlang der gigantischen Schutz-Mauer Israels. Die russische Mafia klaut ihnen den Firmen-Transporter samt Leiche, sowohl Israelis als auch Palästinenser verhaften und foltern sie. Zuletzt zwingt man sie zu einem Selbstmord-Attentat. Das ist albern bis heftiger Humor, klingt mal nach Kishons Absurdität, dann nach Monty Pythons Respektlosigkeit und ganz selten auch mal erschreckend. Dieses politische wie reale Minenfeld begeht der eher freche als ausgewogene Film ohne Rücksicht. Sowohl thematisch als filmisch.

Beim chaotischen Komödien-Verlauf wünschte man sich auch mal etwas Ruhe und mehr Sorgfalt für die Verschiedenheit der Brüder, wenn der brave Jamal mit gefälschtem Ausweis im gestohlenem Mercedes durch die Gegend irrt. Dass einmal ein alter Palästinenser nicht zu seiner Herzoperation über die herzlose Grenze darf, verweist auf „Das Herz von Jenin", einen der vielen Filme um diesen Nah-Ost-Konflikt. Aber auch „Die syrische Braut" oder „Lemon Tree" spielen in einer ganz anderen Liga.

Und obwohl reichlich Stichworte wie Ramadan oder arrangierte Heirat in die nah-östliche Odyssee eingestreut werden (Buch: Gabriel Bornstein, Karl-Dietmar Möller-Nass), hat der Film Längen. So verpufft schließlich auch das abschließende Bekenntnis in der holperigen Klamotte: „Dieses Land ist ein Irrenhaus. Aber es ist mein Irrenhaus." Dies mag ein irrer Film sein, aber es ist nicht mein Film.

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