12.11.13

Zaytoun

Israel, Großbritannien, Frankreich 2012 Regie: Eran Riklis mit Stephen Dorff, Abdallah El Akal, Alice Taglioni 110 Min. FSK: ab 12

Beirut mitten im Bürgerkrieg der 80er-Jahre. Fahed (Abdallah El Akal), ein Junge aus einem der palästinensischen Flüchtlings-Lager rennt mit seinen Freunden durch die zerbombte Stadt und machen die sichtbaren und die inneren Grenzen deutlich. Die Flüchtlinge sind bei den Bewohnern unerwünscht, die christlichen Phalangisten schießen auf sie, als wären die Menschen Schießbuden-Figuren. Außerhalb des Lagers sind auch die Kinder Freiwild.

Erst als ein Granateneinschlag seinen Vater tötet, jetzt folgt Fahed grimmig der Ausbildung zum Kindersoldaten. Kurz darauf stürzt der israelischer Pilot Yoni (Stephen Dorff) ab und wird der Brigade des Jungen eingesperrt. Fahed beteiligt sich anfangs an der gehässigen Folter des Feindes, vielleicht war ja genau dieser Pilot am Angriff beteiligt, der ihm Vater nahm? Doch dann flieht der Junge mit der Geisel, damit dieser ihm zu seinem von Israel besetzten Heimatdorf bringt. Rechtzeitig zur Olivenernte.

Es beginnt eine ereignisreiche Reise durch ein Minenfeld - wortwörtlich und sinnbildlich. Der preisgekrönte israelische Regisseur Eran Riklis („Lemon Tree", „Die syrische Braut") beleuchtet den Konflikt zwischen Israel und Palästina mit einem Buddy- und Road-Movie, das sich viel um die Bewegung kümmert. Yoni ist verletzt durch eine Kugel Faheds, der junge „getroffen" von einer israelischen Bombe. Trotzdem raufen sie sich zusammen und entdecken Gemeinsamkeiten. „Zaytoun" ist das arabische Wort für Olive, der Ölzweig ein Zeichen des Friedens. Die Symbolik ist unübersehbar, wenn Fahed ein Olivenbäumchen liebevoll pflegt und es bei der ganzen Odyssee mitschleppt.

Regisseur Eran Riklis kehrt nach seinem deutsch-israelischen Basketball- und Geschichts-Drama „Playoff" (2011) mit viel Lust an der Re-Inszenierung der historischen Gassen und Lebensumstände zurück in seine Herkunfts-Region. Dort spielten auch seine erfolgreichen Filme „Cup Final" (1991), „Die syrische Braut" (2004) und „Lemon Tree" (2007), dort startete „Die Reise des Personalmanagers" (2010). Der Einsatz von Stephen Dorff („Somewhere", „Public Enemies", „Krieg der Götter") als Israeli macht den Film international attraktiver, funktioniert aber ganz gut, weil man sich sowieso Englisch miteinander spricht. „Zaytoun" ist spannend, etwas einfach gestrickt, aber immer wieder auch bewegend. Wie in einer kurze Illusion eines Miteinanders, während schon der nächste „Vergeltungs"-Angriff gegen den Libanon geflogen wird. Letztlich muss Fateh, obwohl er den weiten Weg zu seinem Dorf geschafft hat, wieder zurück zum Großvater ins Beiruter Lager, zu dem auch schon die Bomber unterwegs sind. Eine dieser UN-Unsinnigkeiten, die auch „Die syrische Braut" so ergreifend machten.

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