18.11.13

Malavita - The Family

USA, Frankreich 2013 (The Family) Regie: Luc Besson mit Robert De Niro, Michelle Pfeiffer, Tommy Lee Jones, Dianna Agron, John D'Leo 107 Min. FSK: ab 16

„Malavita" ist die alte Fisch-aus-dem-Wasser-Geschichte mit einer Mafia-Familie, die dank Zeugenschutzprogramm in einem Dorf der Normandie landet. Eine zwar nicht ganz neue, aber tolle Idee, mit Robert DeNiro und Michelle Pfeiffer klasse besetzt. Aber leider bis auf einige Super-Szenen auch furchtbar holperig in den Stimmungen und zwischen den guten Momenten. Bei einer so verhunzten Montage dieser Komödie mit Spannungseinlage, kann man einfach nicht glauben, dass Luc Besson („Das fünfte Element", „Léon - Der Profi", „Nikita", „Im Rausch der Tiefe - The Big Blue", „Subway") Regisseur und Produzent ist.

Sie hat sichtlich Erfahrung mit dem Umziehen, die Familie Blake. Routiniert findet sie sich selbst nachts in der neuen Wohnung im Dorf bei Le Havre zurecht. Fred (Robert De Niro), der eigentlich Giovanni Manzoni heißt und einst Brooklyn für den Mob kontrollierte, verbuddelt am ersten Abend direkt mal eine Leiche. Nicht nur die Musik klingt dabei nach Mafia. Maggie Blake (Michelle Pfeiffer) jagt beim ersten Einkauf, der wieder keine Erdnuss-Butter auftreiben konnte, den Lebensmittelladen mit gehässigen Franzosen in die Luft - wieder einmal! Die lieben Kinder Belle (Dianna Agron) und Warren (John D'Leo) analysieren am ersten Vormittag das komplette Sozialgefüge der Schule, um unter anderem direkt den Zigarettenmarkt zu übernehmen.

Fred hält sich an keine Regel, sein Wunsch nach klarem Leitungswasser führt zu einer Blutspur in dem sonnigen Dorf. Im Gewächshaus findet er eine Brother-Schreibmaschine und zum Entsetzen seines FBI-Kontaktbeamten Robert Stansfield (Tommy Lee Jones) entsteht langsam eine Biografie, die bis nach Washington für Unruhe sorgt. Denn bislang sind nur 20 Mio. Dollar auf Giovannis Kopf angesetzt. Und die Finger, die bei seinem ehemaligen Paten im Knast ankommen, sind immer von anderen.

Klingt gut, ist es aber höchstens vereinzelt: Schon die Einführung von „Malavita" geriet nicht so schwungvoll, wie man es mittlerweile von fast jedem Film gewohnt ist. Auch später reichen die Ansätze für große Szenen nicht weit. Das üppige Grillfest zur Integration in die Gemeinschaft startet mit „Pop Muzik" von M auf der Tonspur und hätte eine schrille Szene wie in Paolo Sorrentinos „Il Divo" werden können. Letztlich ist sie aber trotz bester Besetzung und Kamera (Thierry Arbogast) nicht unterhaltsamer als Ähnliches aus einer TV-Serie.

In der letzten halben Stunde scheint es dann ganz spannend zu werden, doch die gekonnte Action verpufft, zu leicht wird die Killer-Familie mit eigentlich überlegenen Gegnern fertig. Doch auch in diesem Misslingen sieht es beispielsweise richtig gut aus, wie das Töchterchen mit weißem Kleid und Perlenkette heulend in dunkler Gasse niedersinkt.

„Malavita" wirkt immer wieder wie das frühe Werk von einem, der Filmkunst machen will, aber noch viel lernen muss. In Ansätzen talentiert, aber zu viel vergeigt und unverzeihlich viel vergeben. Wahrscheinlich haben alle nur mitgemacht und Geld gegeben, weil da diese eine Szene ist, in der dieser Mafioso sich inkognito beim lokalen Filmclub als Ehrengast Scorseses „Goodfellas" anschaut und anschließend äußerst fachkundig kommentiert. DeNiro schaut sich einen DeNiro-Film an, in dem er die Mafiosi-Rolle spielt, die er gerade als Giovanni verheimlichen muss und sowieso eigentlich meistens spielt oder parodiert. Diese Szene wird man im Gedächtnis behalten, den Rest kann man vergessen.

Wer hier zu oft Misslingen liest, dem sei mit Mafiosi-Nachdruck gesagt, dass der große Giovanni Glück, Wut, Verachtung und Respekt mit nur einem Wort ausdrücken kann: Fuck!

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