19.11.13

Lunchbox

Indien, Frankreich, USA, BRD 2013 (Dabba / The Lunchbox) Regie: Ritesh Batra mit Irrfan Khan, Nimrat Kaur, Nawazuddin Siddiqui, Denzil Smith 101 Min. FSK: o.A.

Liebe geht durch den Magen, aber wegen einer Verwechslung hier durch den Falschen... Dieser sehr genüssliche Essensfilm beginnt seine Romantik mit dem fast dokumentarischen Ablauf einer speziell indischen Art der Nahrungsversorgung, welche die Regisseurin auch schon als Dokumentation beobachtete. Eine indische Hausfrau aus Mumbai kocht für einen Henkelmann mit mehreren Etagen lauter Leckereien, die ein Mann auf dem Fahrrad abholt. Auf einer Umladestation geht es über viele fleißige Hände in den Zug und dann zur Stadt in die Büros, wo das Essen sicher seinen Empfänger findet. Oder auch nicht. Denn Ila (Nimrat Kaur) will eigentlich ihren desinteressierten Mann mit Kochkünsten becircen, doch der Henkelmann mit der grünen Thermo-Umhüllung kommt am Schreibtisch von Saajan (Irrfan Khan) an. Der Versicherungs-Fachmann soll nach 35 Jahren von einem Jüngeren abgelöst werden, schaut aber auch sonst nicht sehr freundlich drein. Doch diese Speisen sind eine Offenbarung für den mürrischen Mann. Und auch die Köchin ist begeistert, als sie die Blechdosen endlich mal komplett entleert zurück erhält. Doch ihr Mann redet abends nur vom üblichen Blumenkohl.

Es beginnt ein Briefwechsel zwischen der frustrierten Ehefrau und dem freudlosen Witwer. Ein Hin und Her von anfangs kleinen Notizen, das sich trotz der nüchternen Inszenierung wie eine humorvolle Screwball-Komödie verhält: Als Saajan sich nicht bedankt und auch noch über zu viel Salz beschwert, bekommt er am nächsten Tag eine sehr scharfe Antwort - mit besonders vielen Chili im Curry. Mit Hilfe der Rezepte und Ratschläge der unsichtbar bleibenden Nachbarin, mit der sich Eli über den Hof schreiend unterhält, entwickelt sich jedoch ein sehr offener und persönlicher Austausch. Ila erzählt von ihren Schwierigkeiten in der Ehe, Saajan von seinem Leben nach dem Tod seiner Frau. Seine weisen Ratschläge bleiben freundschaftlich bis der Vorschlag kommt, gemeinsam wegzuziehen. Dabei hat Ila eine kleine Tochter und kennt noch nicht mal den Namen ihres Brieffreundes. Der junge Kollege, den Saajan nur widerwillig einarbeitet, stört scheinbar die einsamen Momente der Mittagspause, in denen er einsam die Briefe genießen will. Doch gerade im Umgang mit dem ungelittenen Nachfolger zeigt sich die wunderbare Öffnung des zurückgezogen lebenden Mannes.

„Lunchbox" ist indisch aber kein zuckersüßer oder zartbitterer Bollywood-Film. Es gibt auch keine Tanz- oder Musical-Einlagen. Regisseurin und Autorin Ritesh Batra hat ihren sehr gelungenen Liebesfilm anfangs sehr zurückhaltend und doch raffiniert inszeniert. Es entfaltet sich im langsamen Näherkommen eher eine stimmungsvolle indische Variante von Wong Kar-Wais „In the Mood for Love" als ein lautes Bollywood-Spektakel. Auch da spielte ja der Henkelmann eine entscheidende Rolle bei der Begegnung der Liebenden, die so schwer zueinander kamen.

Dieser filmische Briefroman entwickelt eine ungeahnte Intensität über die gefühlvolle Geschichte und großartige Schauspieler, die hervorragend die leisen und feinen Emotionen beherrschen. Ein Liebes-Melodram über die großen Gefühle im einfachen Leben, über Traurigkeit auf dem falschen Weg und den Mut, eingefahrenes Verhalten zu verändern.

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