10.11.13

Don Jon

USA 2012 (Don Jon's Addiction) Regie: Joseph Gordon-Levitt mit Joseph Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore 90 Min.

Super- und Jungstar Joseph Gordon-Levitt zeigt sich in seiner ersten großen Regie als pornosüchtiger Schönling, der zuerst von einer neuen Freundin Druck und dann von einer älteren Frau Einblicke ins echte Leben bekommt. Scarlett Johansson und Julianne Moore glänzen neben dem Wunderkind in dieser umwerfend guten und klugen Komödie mit Tiefgang.

Was macht eigentlich ... Joseph Gordon-Levitt? Der junge und sensationelle Premium-Hauptdarsteller von „Looper", „50/50" und „Premium Rush" (alles in 2012) hat nebenbei noch ein Drehbuch geschrieben, dass immer größer wurde, durfte es selbst inszenieren und bringt mit „Don Jon" einen unglaublich guten Film ins Kino. Dass er auch als Regisseur kein kleiner Junge ist - obwohl er noch so aussehen kann - beweisen schon seine Mitspielerinnen Scarlett Johansson und Julianne Moore. Ach ja: selbstverständlich spielt der Überflieger Joseph Gordon-Levitt selbst auch mit: Er inszeniert sich in der sehr spritzigen Komödie als selbstverliebter, porno-süchtiger Geck.

Don Jon (Joseph Gordon-Levitt) ist süchtig Internet-Pornos! Nicht dass der junge Mann Mangel an echten Abenteuern hätte: Mit Charme, viel Selbstbewusstsein und tatsächlich gutem Aussehen kommt er unverschämt gut an und auch nie ohne neue Frau nach Hause. Wenn sie denn gekommen sind, tauscht der pedantische Schönling die Bettwäsche im schicken Appartement aus und ... zieht sich zur richtigen Befriedigung vor den Computer zurück. Selbst wenn noch eine Frau in seinem Bett liegt!

Das ändert sich, als Barbara (Scarlett Johansson) in sein Leben tritt, mit Kaugummi und Leoparden-Kleid in den einschlägigen Clubs ebenso scharf, ebenso von sich selbst überzeugt. Aber nicht so schnell im Bett, weil sie es ernster meint. Nun dreht der Schönling am Rad, wirbt um Barbara, was das Zeug hält und geht sogar wegen ihr zur Abendschule. Wo ausgerechnet eine andere Frau seine perfekt geregelte Treibabfuhr noch mehr durcheinanderbringt: Esther (Julianne Moore) ist eine - für Don Jon - ältere Hippiefrau, die ihn sofort schockiert, weil sie öffentlich heult. Das ist total pervers, ekelhaft, unfassbar für das Jüngelchen. Dass beide trotzdem zusammenkommen, liegt an Jons Frust - Barbara hat mittlerweile seine Pornos entdeckt - und an Esthers Joints. Sie findet im anspruchslosen Sex mit dem Jungen etwas Trost nach einem tragischen Verlust, und so schockierend diese Gefühle dem sexsüchtigen Clown vorkommen, sie sind echt und lösen heftige Reaktionen aus.

Ganz anders als Michael Fassbender in „Shame" aus 2011 geht Gordon-Levitt die Porno-Sucht an: Umwerfende Komik, herrliche alberne Figuren und rasanter Schnitt sind seine unwiderstehliche Verlockung. Einmal drin im Film „Don Jon", kommt man nicht mehr los von ihm. Jetzt kann der Regisseur und Autor auch die volle Tragik solcher Abhängigkeit rauslassen. Und der Darsteller kann diese Tragik enorm gut ausdrücken. Denn die Figuren sind doch nicht so albern oder klischeehaft. Sie können sich vorsichtig öffnen und zeigen.

Joseph Gordon-Levitt inszeniert sich in der sehr spritzigen Komödie als selbstverliebter, porno-süchtiger Geck. Scarlett Johansson spielt Barbara sehr schön billig und ist gut wie lange nicht mehr. Julianne Moore als sensible und sinnliche Frau toppt das noch einmal. Und dies alles funktioniert bestens im Dienste der raffinierte Dramaturgie, sich lachend schmerzlichen Wahrheiten anzunähern. Schauspielstar Joseph Gordon-Levitt erweist sich auch als Regisseur und Autor als enormes Talent: Sein erster großer Film „Don Jon" ist ein kurzer und knackiger Knaller ins Sachen Humor, Schauspiel und Tiefgang - ein seltener Glücksfall!

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