26.11.13

Die Eiskönigin - Völlig unverfroren

USA 2013 (Frozen) Regie: Chris Buck, Jennifer Lee 103 Min. FSK: ab 0

Wie gut, dass es diesen Vorfilm gibt, auch wenn er die Kinozeit auf für Kinder grenzwertige zwei Stunden ausdehnt: In einem kleinen, sehr witzigen Clip kämpfen Micky, Minni und Pluto nicht nur gegen Kater Karlo sondern auch mit den Tücken von 3D, Schwarz-Weiß und Farbe sowie vielen anderen kleinen Details aus Kino-Technik und Geschichte. Danach weiß man wieder, wo Disney herkommt und weshalb der 3D-Film „Die Eiskönigin" technisch und ästhetisch so ein Fortschritt ist. Dabei sitzt er zwischen den Stühlen, ist nicht so toll wie die Filme von Pixar und auch nicht mehr so kinder-freundlich wie die alten Disneys.

Die neueste Disney-Animation „Die Eiskönigin" beginnt eindrucksvoll mit dem Lied nordischer Eis-Gesellen in prallem 3D. Auch weiterhin bezaubern die Bilder: Zwei kleine Prinzessinnen schleichen sich aus ihren Betten in einen riesigen Saal des Schlosses. Die ältere Elsa zaubert für Anna eine Eisfläche mit richtigen Schneehügeln. Doch das Spiel mit Elsas magischen Kräften wird gefährlich, als Anna aus Versehen von einem Eisstrahl getroffen zu Boden fällt. Nur die Trolle können das Kind retten. Danach verschließt der König Elsa und ihre Mächte für Jahre in einem eigenen Zimmer, was die kleine Anna nicht versteht. Erst zu Krönung Elsas sehen sie sich wieder. Wobei die Ankündigung der kecken und lebenslustigen Anna, Prinz Hans von den südlichen Inseln heiraten zu wollen, zur Katastrophe führt. Elsa kann weder ihre Emotionen noch ihre Eisblitze kontrollieren, das Schloss, der Fjord und das ganze Land gefrieren mitten im Sommer. Die neue Königin flieht in die Berge, wo sie sich einen eindrucksvollen Eispalast erschafft. Aber Anna gibt die Schwester nicht auf und macht sich mit Hilfe des rustikalen Sven auf einen eisigen Weg...

„Die Eiskönigin" wärmt die Herzen mit üppiger Landschaftsmalerei und zauberhafter Ausstattung der Räume im Schloss. Auch die Erzählung eilt rasant durch die Jahre und, dass zwei junge Frauen die Heldinnen sind, erscheint auf den ersten Blick ebenfalls positiv. Doch je älter Elsa und Anna werden, umso mehr ähneln ihre Figuren der von Barbie, variiert mit Mandelaugen im stupsnasigen Gesicht. Sie bewegen sich wie Sängerinnen in einer Casting Show, aber das ist wohl dem Zielpublikum dieses Mädchenfilms geschuldet. Dazu kommt, doch das ist Geschmackssache, ein furchtbares, unterkomplexes Musical-Geträller mit Stimmen, die schmerzliche Höhen aufsuchen. Denn auch das ist Disney-Tradition, hier wird alle fünf Minuten irgendwas gesungen. Es gibt sogar unter den vielen Duetten eines mit einem Rentier, das auch für schizophrene Zwiegespräche herhalten muss. Die übliche Sidekick-Rolle sprechender Tiere übernimmt diesmal Schneemann Olaf, gesprochen von HP Kerkeling.

Lange Zeit war Disney wie durch eine Gletscherspalte vom Fortschritt des Zeichentrickfilms getrennt. John Lasseter produzierte derweil mit seiner Pixar-Schmiede mit erstaunlicher Regelmäßigkeit eine Animation-Sensation nach der anderen. Nun ist Lasseter jedoch auch Chef bei Disney und sein Wirken manifestiert sich deutlich auf der Leinwand. So zeigt sich unter der Regie von Chris Buck („Tarzan", „Könige der Wellen") und Jennifer Lee (Drehbuchautorin „Ralph Reichts") der übliche Disney-Mix in neuer, glänzender Aufmachung, aber auch mit einigen Misstönen. Dazu gehören nicht kindgerechte Überlänge oder das für Kleinkinder zu dramatische Finale.

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