18.11.13

Aschenbrödel und der gestiefelte Kater

BRD 2013 Regie: Torsten Künstler mit Ezra Finzi, Carsta Zimmermann, Ina Gercke, Torsten Schnier, Claudia Graue, Roger Jahnke 60 Min. FSK: o.A.

Mitmachkino für Kinder ist die große Entdeckung des im wahrsten Sinne des Wortes bewegenden Films „Aschenbrödel und der gestiefelte Kater". Aber auch der Spaß, Märchen der Brüder Grimm sehr flott, modern und toll umgesetzt zu sehen, macht diesen kurzen Film zu einem Kino-Muss für junge Familien.

Als der kleine Paul nach einem Umzug im winterlichen Berlin landet, wo es nach Meinung des unheimlichen Vermieters keine Märchen gibt, fühlt er sich sehr verloren. Doch seinen geliebten Märchen folgend, landet er mit seinem größeren Bruder in einer verträumt weichgezeichneten Märchenhütte, wo der eigentliche Film, der ursprünglich Theater ist, beginnt: In der urigen Hütte sprechen und spielen jeweils zwei Schauspieler vor kleinem Publikum auf tollste Weise Märchen der Brüder Grimm kongenial nach. Das klingt öfter mal wie Rene Marik oder Kurt Krömer, nicht nur weil Aschenbrödel berlinert. Auch der Humor kommt in ähnlicher Tonlage daher. Auf einer zweiten Ebene spielen die großartigen Komödianten - genial: Roger Jahnke als Prinz/Stiefmutter/Stiefschwester - auch mit der alten Sprache der Grimms. Da wird das Rebhuhn als Rap-Huhn toll durchgerapt und kurz stolpert der Text beim Wörtchen „toll", das heute etwas anderes meint als vor 200 Jahren. Genial außerdem, wie die fliegenden Rollenwechsel manchmal in einem Satz gelingen. Nur die über alles gegossenen Filmmusik legt sich zu sehr und überflüssig ins Zeug,

Weiterhin agiert Pauls Märchen-Teddy als Simultan-Dolmetscher: Er taucht auf der Leinwand auf und klatscht, singt oder streckt an ausgewählten Stellen gar die Zunge raus, auf dass es die Kinder im Publikum mitmachen. Und sie machen direkt mit. Als zusätzliche Identifikations-Figur souffliert Paul aus den Zuschauerrängen des bei den Märchenhütten-Aufführungen abgefilmten Publikums. Die Märchenhütte Berlin wird vom Theater Hexenkessel auf einem Bunkerdach im Berliner Monbijoupark seit 2007 bespielt. Auch wenn das tolle Theater mit dem Mitmach-Teddy geschickt ins Kino übertragen wurde - letztlich macht der Film auch sehr viel Lust auf das eigentliche Theater-Erlebnis.

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