28.10.13

Vive la France - Gesprengt wird später

Frankreich 2012 (Vive la France) Regie: Michaël Youn mit José Garcia, Michaël Youn, Isabelle Funaro, Ary Abittan 97 Min. FSK ab 12

Wissen Sie, wer Taboulé erfunden hat, den Salat aus Bulgur, Tomaten und Petersilie? Sehen Sie, genau das lässt die Menschen aus Taboulistan, da irgendwo zwischen Iran, Afghanistan und Turkmenistan, so in die Luft gehen, dass niemand sie kennt. Bis zur Idee, dann den Eiffelturm in die Luft zu jagen, damit sich genau das ändert, ist es nicht mehr weit. Fertig ist die hirnrissige Handlung dieses terroristischen Anschlags auf Geschmack und Lachmuskeln im Geiste von Borat - nur nicht ganz so geistreich.

Muzafar (José Garcia) und Feruz (Michaël Youn) wurden im taboulistanischen Terroristen-Camp des Sohnes vom Diktators ausgebildet und -erwählt, das Symbol Frankreichs per Selbstmord-Attentat zu knicken. Von der wüsten Gegend, wo die Frauen jeden Morgen beim traditionellen Tanz geschlagen werden, geht es für Michel Platini und Yannick Noah (so ihre unauffälligen Tarnnamen!) über Land nach Istanbul und per Flieger nach Paris. Doch als der kurz vor der Entführung auf Korsika notlanden muss, beginnt eine Odyssee des Schwachsinns und der heftig ausgewälzten Klischee-Klopse.

Muzafar und Feruz wollen sich von der Insel zu Fuß nach Paris durch- und weiterhin jede Frau schlagen, die sie treffen. Dabei ist weder Korsika, noch Marseille und schon gar nicht Paris wirklich Frankreich, fast überall werden sie vom echten Widerstand und als vermeintlich illegale Einwanderer fast liebevoll unterstützt. Wutbürger und Touristen sind immer schlimmer als Terroristen. Aber eine touristische Rundfahrt gibt den Terroristen den Rest und bringt sie fast von ihrem Ziel ab.

Klingt furchtbar dämlich und ist es auch, wenn der Reis mit den Händen und die Schnecken mit Schale gegessen werden. Doch dass der franzosenhassende Terror-Anführer sich statt Michel lieber Alain Houellebecq nennt und dass dies ein wenig wie Allahu Akbar klingt, hat was. Ebenso, wenn die Märtyrer verhandeln, ob sie statt der 70 Jungfrauen lieber eher mittelalte Frauen bekommen. Die Hymne auf Paris singt treffend ein Belgier, Jacques Brel. Das ist alles selbstverständlich nicht political correct, überhaupt nicht. Aber man kann bei der Gag-Frequenz aus Rohrkrepierern, Peinlichkeiten, Idiotien, französischen Insider-Scherzchen und herrlich Absurdem nicht mitzählen, wer mehr abbekommt: Die Ausländer oder die Franzosen.

Mit ganz viel, von billigen Balkan Beats der „Freaks" angeheiztem Gutem Willen, lässt sich die allerseltsamste Szene mit einem Immigrationsbeamte, der sie in Plüschkostüme steckt, als politische Satire genießen. Ein paar Momente gerieten unvergleichlich gut, haben glatt „Little Britain"-Niveau, wie der Waffen- und Sprengstoffdealer mit der keifenden Mutter und dem Kamikaze-Hamster. Doch es währt nicht lange, dann folgt der nächste frauenfeindliche Scherz, und er wird nicht besser in der Wiederholung.

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