23.10.13

Meine keine Familie

Österreich 2012 Regie: Paul-Julien Robert 93 Min. FSK: 12

Der Schweizer Regisseur Paul-Julien Robert wurde 1979 in die Otto-Muehl-Kommune hineingeboren und begibt sich in „Meine keine Familie" auf eine persönliche Reise in die eigene Vergangenheit. Er beginnt offen zu erzählen, ohne Dämonisierung oder Verurteilung des alternativen Lebens, führt in eine andere Zeit ein, in der Männer die Arbeitsverträge ihrer Frauen unterschreiben durften und Schlagen normal war. Auch seine Mutter berichtet unverstellt von den gesuchten Formen der Psychoanalyse, von der freien Sexualität und dem Gemeinschaftsleben in der einst berühmten österreichischen Kommune Friedrichshof. Dann musste die Mutter eine Arbeit in der Schweiz aufnehmen und ließ ihren vierjährigen Sohn zurück. Ab hier wirken die Theorien Otto Muehls wie ein Hohn.

Da die Kommune ihr eigenes Leben dokumentierte, fand der Autor reichlich Film- und Foto-Material in tausenden Stunden Videoaufnahmen. Darin sieht er seine möglichen Väter und die großen, inqisitorischen Versammlungen unter Leitung Muehls. Gleichzeitig besucht er seine „Familie", andere Kinder, mit denen er zusammenlebte. Darüber findet mehr und mehr die Auseinandersetzung mit dem einstigen Übervater Otto Muehl selbst statt. Zuerst erzählen die Gesichter von Verletzungen und Wut, man ahnt erst und erfährt später, was passiert ist, von den „sexuellen Einführungen" der Kinder durch Muehl und seine „erste Frau". Die Fragen werden eindringlicher, die Auseinandersetzung härter.

Nach der Einleitung von gerichtlichen Voruntersuchungen gegen Muehl und zunehmender Unzufriedenheit vieler Kommunenmitglieder wurde Ende der 80er-Jahre der gesamte Besitz in eine Genossenschaft eingebracht und 1990 löste sich das gemeinschaftliche Lebensexperiment auf. Otto Muehl wurde im Herbst 1991 wegen Unzucht mit Unmündigen verurteilt.

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