2.9.13

Shadow Dancer

Großbritannien, Irland 2012 (Shadow Dancer) Regie: James Marsh mit Clive Owen, Andrea Riseborough, Gillian Anderson, Aidan Gillem 100 Min.

Eine Geschichte von V-Frauen, Verrätern und Verfassungschutz... Klingt aktuell, hat aber nichts mit den rechten NSU-Mördern zu tun, denn sie spielt 1993 in Belfast, in der Endphase des nordirischen Widerstands gegen die britischen Besatzer. Vielleicht wird sich in 20 Jahren, wenn ein Spielfilm die Hintergründe der Zwickauer Zelle und die Beteiligung vom Verfassungsschutz ausleuchtet, zeigen, das wohl alle diese Geheim- und Sicherheits-Dienste skrupellos mit Menschen spielen und sie auch ohne Zögern opfern. Der spannende und raffinierte Thriller „Shadow Dancer" lässt allerdings jemand anders am Ende den letzten Zug machen. Ach ja, und endlich wissen wir auch, dass Scully das FBI (und „Akte X") verlassen hat, weil Clive Owen bei den britischen Kollegen wesentlich frischer aussieht als Duchovny.

Belfast 1973 - da ist schnell klar, dass dies keine nette Geschichte wird. Und dass Rauchen tödlich ist: Der Vater schickt Collette zum Zigaretten holen, sie leitet den ungeliebten Auftrag an den Bruder weiter, der kurz darauf erschossen in die Wohnung zurück getragen wird. Alltag im sogenannten „Bürgerkrieg" der englischen Armee gegen IRA und die katholische Bevölkerung Nordirlands. Zwanzig Jahre später wird Collette (Andrea Riseborough) erwischt, als sie in der Londoner U-Bahn eine Bombe platzieren will. Ein sehr verständnisvoller Agent namens Mac (Clive Owen) bietet ihr an, den nicht zum Waffenstillstand bereiten IRA-Kämpfer Gerry auszuspionieren. Ansonsten drohe ihr Knast und Trennung vom kleinen Sohn. Und außerdem hätte sie die Bombe ja gar nicht scharf gemacht, das würde viel verraten. Die junge Frau nimmt an, obwohl es ihr Todesurteil sein kann. Und tatsächlich scheint sie nach dem ersten Verrat, der ein Attentat verhindert, von den Engländern zum Abschuss freigegeben zu sein. Doch auch Mac wurde von seiner Chefin („Scully" Gillian Anderson) verraten und versucht, „seine" Spionin zu retten. Nach einem Kuss von Collette gibt er ihr alles preis....

Es gibt im hoch spannenden und sehr regierungs-kritischen Polit-Thriller „Shadow Dancer" nicht nur ein Wiedersehen mit einer blondierten Gillian Anderson, eindrucksvoll vor allem ist Andrea Riseborough, die als Wally in Madonnas „W.E." einen guten Auftritt in unglücklicher Umgebung hatte (der Film ist wirklich nicht gelungen). Nicht mehr glamourös, sondern verschlossen und getrieben kann sie mit ihrem Gesicht die Zwänge der mehrfachen Zwickmühle widerspiegeln. Während Collette jeden Moment all die Freude bei ihrem Sohn genießt, den ihr im gleichen Alter verstorbener Bruder nicht mehr haben konnte, kapieren all die Männer nicht, dass es etwas anderes gibt als das Morden. Doch der Sicherheits-Chef dieser IRA-Abteilung (Henker kann man nicht sagen, da hier alle Blut an den Händen haben) verdächtigt sie, die Plastikplane ist beim Verhör schon ausgelegt und in einer spannenden Parallel-Suche recherchiert Mac in den bürokratisch korrekten Gehaltsabrechnungen nach dem einen Verräter, dessen Entdeckung die Entdeckung von Collette in einem großen Bluff verhindern soll. Dies ist allerdings nicht die letzte Volte des raffinierten Drehbuchs.

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