9.7.13

The Call - Leg nicht auf

USA 2013 Regie: Brad Anderson mit Halle Berry, Abigail Breslin, Morris Chestnut, Michael Eklund 91 Min. FSK ab 16

Wer kennt sie nicht, die Hochspannung wenn der Akku-Ladung des Handys mitten im Gespräch zu Neige geht? Doch solche Mätzchen hat der extreme packende Thriller „The Call" mit Halle Berry gar nicht nötig. Nach nur wenigen Minuten entspannter Einführung mit etwas Privatleben kitzelt ein echt dramatischer Notruf direkt die Nerven: Ein junge Frau meldet einen Einbruch, der stattfindet während sie alleine im Haus ist. Diesmal ist „Allein zu Hause" gar nicht witzig, Jordan (Halle Berry), eine erfahrene Telefonistin der Notrufzentrale führt das Mädchen aus der Gefahr. Doch die Polizistin begeht auch einen schweren Fehler, weil sie zurückruft und persönlich involviert ist.

Das kostet der Anruferin schließlich das Leben. Sechs Monate später nimmt Jordan Psychopharmaka und hat als Lehrerin nur zynische Kommentare für neue Kollegen übrig. Als jedoch der Notruf eines Teenagers aus dem Kofferraum seines Entführers ziemlich unprofessionell entgegengenommen wird, greift die traumatisierte Frau ein und schon wieder verspricht sie einem Verbrechens-Opfer, dass alles gut wird...

Gut ist dieser gradlinige Thriller von Brad Anderson, der mit den beiden ungewöhnlicheren Filmen „Transsiberian" (2008) und „Der Maschinist" (2004) auf sich aufmerksam machte. Keine Hintergrund-Geschichten, keine lang vorbereiteten Rache-Aktionen - „The Call" antwortet einfach nur mit Spannung und das nicht zu knapp. Es dreht sich alles um Jordans Versprechen „Wir werden dich finden und dir helfen!" Wie Halle Berry in dieser Rolle die Entführte aufbaut, ihr Mut zuspricht und zur Mitarbeit motiviert, ist allein sehr packend. Die detektivischen Details, um den fliehenden Entführer zu identifizieren und zu finden, sind originell bis super-raffiniert. Ebenso raffinert wie das Skript (Buch: Richard D'Ovidio). Kamera und Schnitt treiben die Spannung an, da kann beim Psycho-Thriller im Großraumbüro der Polizei von Los Angeles der Serienmörder lange anonym bleiben. Erst nach einer halben Stunde bringt der Film als zusätzlichen Spannungs-Joker die Person des Killers so richtig in Rage. Die Psyche dieses gestörten Menschen und sein spezieller Psycho-Tick erweisen sich als ebenso faszinierend wie erschreckend.

Dabei hält sich „The Call", dieses verdreht ödipale „Schweigen der Lämmer", mit der Darstellung von Gewalttaten lange zurück und ist damit in der Phantasie der Zuschauer umso wirkungsvoller. Spannungs- und Handlungsfaden werden straff geführt, das trägt auch über ein paar große Löcher in der Logik hinweg. Bis zu einschneidenden Veränderungen im Finale gibt es nur ein paar Szenen, von denen man wusste, dass sie kommen werden. Nach dieser gelungenen Telefon-Tor-Tour ist nicht nur Jordan mitgenommen - dass sie auch noch mit dem Täter spricht, ist dann jedoch zu viel an Aufgabe. Doch die Überraschungs-Kiste ist noch nicht leer: wo gerade noch die US-Flagge im Hintergrund billigen Patriotismus herbei wehen könnte, überrascht eine letzte Volte mit die Rache der Telefonistin ... und öffnet die Tür für eine Fortsetzung.

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