17.7.13

Jackie - Wer braucht schon eine Mutter

Niederlande 2012 (Jackie) Regie: Antoinette Beumer, mit Carice van Houten, Jelka van Houten, Holly Hunter, 96 Min. FSK ab 12

Eine Mutter hat Sofie (Carice van Houten) nach eigener Aussage nie gebraucht: Zwei nette schwule Väter zogen ihre Zwillings-Töchter in den Niederlanden groß, die amerikanische Hippie-Frau, die sie austrug, verschwand nach der Geburt. Die gestresste Redakteurin und Karriere-Frau Sofie hat keine Zeit für eine Mutter, nicht mal Zeit für einen Mann. Dann kommt ein Hilferuf aus den USA: Die Mutter Jackie liege mit gebrochenem Bein im Krankenhaus. Sofies chaotische Schwester Daan (Jelka van Houten) will sofort hin, fragt die Zögerliche „Wovor hast du eigentlich Angst?". Die offen sprechende Familie kommt schnell auf den Punkt und die beiden Schwestern so in die USA. Ein Ohrproblem samt Flugverbot bei Jackie (Holly Hunter) sorgt für den Roadmovie-Rahmen.

Die ziemlich verwirrt wirkende Frau begrüßt die Tochter schon mal mit einem Gewehr und macht auch sonst die Annäherung nicht leicht. Genregemäß stranden sie irgendwo in der Wüste in wunderbarer Landschaft, der Clash der Mentalitäten bekommt viel Raum und Zeit: Sofie, hochhackige Redakteurin und überspannter Workaholic, bekommt Abstand von der Arbeit als einzigem Lebenssinn. Daan, scheinbar naives und sehr herzliches Blondchen, darf endlich mal Autofahren und sich auch ansonsten emanzipieren.

„Jackie" ist ein sehr gelungenes Road-Movies, ein toller Schauspielerinnen-Film mit viel Humor und Einfühlungsvermögen in die Figuren. (Ob der englisch-niederländische Sprach-Mix die Synchronisierung überlebt, bleibt offen.) Der US-Star Holly Hunter zeigt mal wieder sein komödiantisches Vermögen, sagt nicht viel, macht aber enormen Eindruck. Jelka van Houten überrascht als Daan an der Seite ihrer tatsächlichen Schwester, der bekannteren Carice van Houten („Game of Thrones"). Die stille und tief berührende Film-Perle ist immer wieder sehr witzig, beglückt auch durch lebendige Kamera und schöne Landschaftsaufnahmen bis zur letzten, heftigen Pointe in Sachen Mütterlichkeit.

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