30.7.13

Halbschatten

BRD, Frankreich 2013 Regie: Nicolas Wackerbarth, mit Anne Ratte-Polle, Emma Bading, Leonard Proxauf, Henry Arnold 80 Min.

„Ich wollte sehen, was passiert, wenn Filmaufnahmen, die für gewöhnlich dem Schnitt zum Opfer fallen, ins Zentrum einer Erzählung rücken: Momente, in denen jemand alleine ist, in denen ein stummes Selbstgespräch geführt wird, in denen der Druck, den gesellschaftliche Erwartungen einfordern, aufkommt." So exakt wie Regisseur seinen Film „Halbschatten" beschreibt, so exakt erzählt er auch - trotz einer oberflächlichen, spröden Ereignislosigkeit. Das Warten der Mitt-Dreißigerin Merle (Anne Ratte-Polle) vor dem französischen Ferienhaus ihres Geliebten. Ein eiskalter Empfang durch dessen Kinder, aber selbst ergreift Merle auch nicht die Gelegenheit zur Verständigung. Sie könnte Stiefmutter spielen, aber ihre Kochkunst besteht aus nur einem Gericht. Große Schwester für Emma, doch es bleibt erst mal bei der Hausaufgaben-Hilfe. Und für den fast erwachsenen Sohn ein Kumpel oder eine erste Geliebte... Was ein Spielchen und böse Rache wäre, denn Romuald (Henry Arnold) lässt sich bis zum Ende des Films nicht blicken, nicht für die wartende Geliebte, den Geburtstag der Tochter oder deren vermeintliche Krankheit.

Merle will in ihrem Roman, an dem sich eigentlich nicht arbeitet, untersuchen wie Dinge ihren Namen bekommen. Regisseur Nicolas Wackerbarth selbst untersucht unbestimmte Zustände, die noch keinen Namen und vor allem keine Lösung haben. Eine eindeutig deplatzierte Frau sieht noch keinen Ausweg, kann sich nicht zum nächsten Schritt entscheiden. Das Warten auf Romuald ist eigentlich ein zielloses Kreisen um sich selbst.

Dass ein Film über das Verharren trotzdem äußerst packend sein kann, liegt teils an der Hauptdarstellerin Anne Ratte-Polle, die eine keineswegs sympathische Frau mit undurchdringlichem Gesicht und wenigen Regungen spielt. (In nur einer kurzen Szene treten auch die „Stars" Maren Kroymann und Lou Castel auf.) Aber vor allem sind die Szenen und Inszenierungen von Regisseur und Autor Nicolas Wackerbarth in ihrer raffinierten Deutlichkeit erstaunlicher Augenschmaus und Hirnkitzel. Wie sagte er es treffend selbst: „So spannen Anspruch und Erfüllung einen Stillstand auf, dem latent alle Möglichkeiten und ihre Bedrohung innewohnen. Ein Thriller über einige ereignislose Tage." Ein Filmemacher, von dem man gerne mehr sehen und hören möchte.

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