30.7.13

Francis Ha

USA 2012 Regie: Noah Baumbach mit Greta Gerwig, Mickey Sumner, Adam Driver, 86 Min.

Ha! Was für ein Film! Und was für eine Schauspielerin! Greta Gerwig („To Rome with Love") ist in „Francis Ha" erneut so eine Erscheinung, der man das pure Leben und alles ehrlich abnimmt. Die Gerwig spielt nicht, sie IST Frances Ha, diese junge, nicht sagenhaft begabte Tänzerin Mitte, Ende 20. In Brooklyn zieht sie von Apartment zu Apartment, taucht ab ins Leben der jungen Boheme, mit ihrer Freundin Sophia immer super lebendig und selbst verkatert noch umwerfend witzig. Von den vernichtenden Kommentare über ehemalige Liebhaber bis zu lebensphilosophischen Betrachtungen, die Glückskeks-Sprüchefür das nächste Jahrzehnt werden sollten. Francis und Sophia sehen sich selber wie ein lesbisches Paar, das keinen Sex mehr hat. Genauso humorvoll wie ihre Episoden sind die herrlich ironischen Musiken, die zu den New York-Trips auf die Tonspur gelegt werden. Doch dann verlieren sich die Freundinnen in den Wirren des Wohnungsmarktes und der Beziehungssuche.

Das spaßige Tänzeln durchs Leben entwickelt sich für Francis zu einer Abwärtsspirale: Die Schlafplätze werden immer schlechter, genau wie die Jobs. Die sympathisch chaotische Frau wird als „undatable" bezeichnet, als eine, die keinen abbekommt, bezeichnet ... und glaubt es irgendwann selbst. Die Karriere als Tänzerin rückt in die Ferne, die Chefin des Ensembles empfiehlt Frances sogar einen Bürojob! Allerdings solle sie dann auch lieber an eigenen Choreografien arbeiten als selbst zu tanzen. Und es gibt da noch diesen netten Typen...

Die Irrungen und Wirrungen der Jugend, das Finden des richtigen Weges für einen ganz persönlich und das Bewahren richtiger Freundschaften dabei. Das lässt „Francis Ha" im passenden Schwarzweiß der „Nouvelle Vague" miterleben, die ja auch ein Zeit des Aufbruchs und eine Bewegung junger Künstler war. Dementsprechend gibt es eine Melodie aus Truffauts Antoine-Doinel-Zyklus, diesem ähnlich wunderbaren Kino-Entwicklungsroman. Mehr macht „Frances Ha" nicht, aber dieses Geschenk der Kinowoche entwickelt sich unauffällig mehr und mehr zum Dauergrinser-Film, der nur von lautem Lachen unterbrochen wird.

Greta Gerwig, dieser mal zu recht gehypte Jung-Star der Independent-Szene, ist nach „Greenberg" von gleichen Regisseur Noah Baumbach („Der Tintenfisch und der Wal") wieder in einer frischen, unkonventionellen Komödie zu erleben, die ihr wesentlich besser steht, als der Mainstream, der sich mittlerweile auch um sie reißt. Sie ist ein Naturereignis der Leinwand, genau wie damals die junge Drew Barrymore oder wie immer wieder Valeria Bruni-Tedeschi mit einem ganz besonders natürlichen Eindruck.

„Francis Ha" verwebt mit der schönen Geschichte des Films auch ein Spiel mit der französischen Filmgeschichte: Das beginnt mit dem reizvollen Schwarzweiß, dazu rennt Francis wie einst bei Leos Carax zu David Bowie durch die Straßen und beim Abhängen vor dem Fernseher läuft auch Französisches.

Gerwigs Francis wirkt völlig liebenswert verloren in der Welt der Erwachsenen, aber nach gehörigen Dosen Nonkonformismus schließlich auch melancholisch versunken im eigenen Leben ohne wirkliche Freunde. Eine für sie selber nicht einfache Erkenntnis und für die Zuschauer ein in seiner entwaffnenden Offenheit anrührendes Vergnügen.