17.6.13

The Sapphires

Australien 2012 Regie: Wayne Blair mit Chris O'Dowd, Deborah Mailman, Jessica Mauboy, Shari Sebbens, Miranda Tapsell 103 Min.

Wayne Blair erzählt in seinem sensationellen Langfilm-Debüt „The Sapphires" von vier jungen Frauen, die von den australischen Ureinwohnern abstammen und im Jahr 68 als Sängerinnen zur Truppen-Unterhaltung in den Vietnam-Krieg ziehen. Die wahre Geschichte, wie die leidenschaftlichen Mädels dem Rassismus zuhause entkommen und ihren kurzen Ruhm genießen, ist ein musikalischer Wohlfühlfilm.

Sie haben den Schwung von „The Commitments" und den Drive des Roadmovies „Priscilla – Königin der Wüste". Doch die Sapphires haben auch ihre ganz eigene Geschichte als Aborigines, die sich mit Hilfe der Musik von den Fesseln ihrer Heimat befreiten. Als sie sich noch „Cummeragunja Song Birds" nannten, waren die Mädels Außenseiter. Sowohl in ihren „Reservaten", wo die Singerei als Spinnerei angesehen wurde und nur harte Arbeit zählte, als auch bei den „Weißen". Es ist 1968 in Australien. Als Gail (Deborah Mailman) und ihre drei Schwestern im nächsten Kaff einen lächerlichen Musikwettbewerb mit sagenhaftem Gesang in den Grundfesten erschüttern, werden sie doch nur zweite - sie sind „schwarz". Dass sie ausgerechnet ziemlich rein-weißen Country&Western singen, ist eine besondere Note dabei. So lautet denn auch eine der ersten Lektionen von ihrem zukünftigen Manager Dave (Chris O'Dowd): „90% aller Musik ist Schrott, der Rest ist Soul". Allerdings dauert es etwas, bis Gail und ihre Mädels akzeptieren, dass dieses versoffene, heruntergekommene Weißbrot irgendwo Soul im Körper hat und sie managen darf. Den größten Widerstand gibt es jedoch zuhause. Vor allem die Jüngste darf nicht mal mit zum Vorsingen nach Melbourne. In der Zeitung war ein Job als Showband für die Soldaten in Vietnam annonciert. Doch schließlich überreden die drei Power-Frauen sogar noch ihre stimmgewaltige Cousine Kay (Shari Sebbens), die einst vom Staat entführt und von Weißen adoptiert wurde. Jetzt begeistern die Sapphires mit neuem Namen, Soul-Repertoire und heißer Bühnenshow erst das Auswahlkomitee und dann Heerscharen von Soldaten in Südost-Asien. Dass dort ein blutiger Krieg stattfindet, dringt mit tragischen Folgen erst spät durch die mädchenhafte Begeisterung...

„Sing, wenn du traurig bist" lautet der Rat von Gails spirituell verwurzelter Großmutter. Könnte auch eine universelle Formel für erfolgreiche Filme sein. Der australische Wohlfühlfilm „The Sapphires" bringt wie einst die „Commitments" viel Schwung mit etwas Sentiment ins Kino. Und wie bei „Priscilla – Königin der Wüste" geht es auch hier um Ausgegrenzte, Unterdrückte und Benachteiligte. So genießt man tolle Stimmen, gute Songs und den Spaß vor allem mit dem König der Oneliner Dave, während man nebenbei Erschütterndes über die Situation der Aborigines, der australischen Ureinwohner, erfährt. Die Widerspenstigkeit Gails ist auf eines der massenhaft verübten staatlichen Verbrechen zurückzuführen, die lange Jahrzehnte Familien auseinanderriss und ganze Generationen traumatisierte. „The Sapphires" trumpft trotz Vietnam-Krieg und Rassismus mit einem glaubhaften Happy End auf. In der Schlussszene wartet ein kleiner Junge auf seine Mutter, der einst das Buch zu diesem Film schreiben wird.

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