24.6.13

The Grandmaster

Hongkong, VR China, USA, Frankreich 2013 (Yi Dai Zong Shi) Regie: Wong Kar-wai mit Zhang Ziyi, Tony Leung, Wang Qing-Xiang, Chang Chen 118 Min. FSK ab 12

Wie einst in Kleists „Penthesilea" oder in Ang Lees „Tiger and Dragon" ist auch „The Grandmaster" vom Großmeister Wong Kar-wai („In the Mood for Love", Chungking Express") eine große und gewaltige Geschichte vom Geschlechterkampf der Liebenden. Ip Man, begnadeter Kämpfer in den 20er Jahren Chinas und zukünftiger Meister des Nordens wie des Südens, wird seiner großen Liebe Gong Er nie näher als im Kampf kommen...

Eine ewige Liebe in einer Bewegung - das ist Wong Kar-Wai. So ist auch das große Epos eigentlich schnell erzählt: Ip Man (Tony Leung), ein überlegener, aber bescheidener Kämpfer des Kung Fu aus dem Süden, wird zum Nachfolger des ganz großen und vereinigenden Meisters Gong, indem er es sogar mit dessen Tochter Gong Er, der Zauberin der 64-Schlag-Technik, aufnimmt. Dieser ausgesprochen romantische „pas des deux" sollte fortgesetzt werden, doch der Einmarsch der japanischen Armee trennt die Liebenden. Erst nach vielen Jahren und politischen Umwälzungen treffen sie sich im inzwischen britischen Hong Kong wieder. Doch Frau Gongs Gelübde, dass ihr half, den Mörder des Vaters zu besiegen, steht der Erfüllung im Wege.

Nach „Ashes of Time" ist „The Grandmaster" der zweite Martial Arts-Film vom Ausnahme-Regisseur Wong Kar-wai. Selbst wenn man nicht übermäßig viel für asiatische Klöppereien übrig hat, bei ihm wird Martial Arts zum Ballet, zum atemberaubenden Bewegungs- und Bilder-Fluss. „The Grandmaster" ist ein typischer Wong Kar Wai, der einen Moment nicht erfüllter Liebe über Jahrzehnte und mehrere Filmstunden aufs Wunderbarste zerdehnen kann. Kurze Zeitlupen, schwebende Rauchwölkchen, zitternde Schneekristalle, Tropfen, die für ihr perfektes Perlen reihenweise Oscars erhalten müssten. Das schmerzlich süße Schmachten kann niemand so gut in Filmform bringen, wie man seit „In the Mood for Love" weiß. Dazu Tableaus, die an Rembrandts Gilden-Gemälde erinnern oder aus einem Bordell in Süd-China „eine Bar in den Folies-Bergère" im Stile Manets machen. Dass in der unvereinbaren Liebe zwischen dem verschneiten Norden und dem warmen Süden nebenbei chinesische Geschichte und in der Zusammenführung unterschiedlicher Kampfstile durch den realen Ip Man (1893-1972) etwas Wesentliches für den Kung Fu erzählt wird, ist da fast Nebensache.

„Beim Eintopf kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an: Steht er zu kurz auf dem Feuer, fehlt Geschmack, steht er zu lang, ist er verkocht" - wie anhand des aufmerksamen Kochens einer Suppe Lebensweisheiten vermittelt werden, äußern die Figuren zwar wenig, aber Treffendes. Fachjournale mögen entscheiden, ob die Geschichte des Lehrers von Bruce Lee korrekt wiedergegeben ist. Aber der Genuss an dieser perfekten Komposition aus Zeit und Raum, dem wunderbaren Ballett aus Zeitlupen und schneller Action ist allen gegeben. „The Grandmaster" ist ein großartiger Film, ein großes Drama um zwei Königskinder der Kampfkunst, dem etwas historisches Schicksal in Form der Japanischen Invasion untergemischt ist. Während bei anderen einzigartigen Film-Meisterwerken ein Kuss, eine Melodie oder ein Satz für immer hängen bleiben, schafft es Wong Kar-wai einem kleinen Regentropfen Ewigkeit zu verleihen.

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