26.6.13

The Deep

Island, Norwegen 2012 (Djúpid) Regie: Baltasar Kormákur, mit Ólafur Darri Ólafsson, Jóhann G. Jóhansson, Þorbjörg Helga Þorgilsdóttir, 92 Min. FSK ab 12

Männer und das Meer, immer ein schönes Kino-Thema. Etwa im Jahr 2000 mit George Clooney und Mark Wahlberg starbesetzt in „Der Sturm" von Wolfgang Petersen und neuerdings auch in „All is lost" mit Robert Redford ganz allein auf hoher See - der alte Mann und das Meer. Der isländische Regisseur Baltasar Kormákur („101 Reykjavik") packt jedoch so eine (wahre) Geschichte in „The Deep" ganz anders an und ein:

Ein paar isländische Fischer feiern rau, lassen sich vor dem Auslaufen noch einmal volllaufen. Der nächste Tag bringt einen neuen Koch und viel Arbeit auf dem Schiff. Dann ein rasend schneller und heftiger Untergang bei Nacht, das Schleppnetz hatte sich verhakt. Nur drei der sechs Männer überleben, hocken auf dem Kiel des Kahns. Bald erfrieren zwei weitere nur der rundliche, Gulli (Ólafur Darri Ólafsson) treibt noch im eiskalten Wasser. Mehrere Stunden hält er das aus, redet mit einer Möwe während er auf Toter Mann macht. Oder gibt sich existenzialistischen Erinnerungen an die Kindheit hin, in der sein ganzes Dorf von Lava begraben wurde. Und dann der Wunsch-Traum von nur noch einem weiteren Lebenstag, der endlich als besserer Mensch - ohne Schulden! - gelebt werden soll, kurioserweise im Super8-Format präsentiert. Doch Gulli schafft es, wird an Land getrieben und überlebt sogar noch den Marsch an der schroffen Küste.

„The Deep" von Baltasar Kormákur ist keine Heldensaga, kein Männer-Kampf mit den Elementen. Dazu eignet sich der unscheinbare Gulli auch kaum. Der ganz anders packende Film berichtet von einem unerklärlichen Ereignis, das 1984 - die Männer diskutieren über VHS oder Beta und den Weißen Hai - tatsächlich stattfand. So ist es ziemlich realistisch komisch, wenn im letzten Teil des Films nach Erklärungen gesucht wird, weshalb gerade dieser nicht besonders fitte Mann im eiskalten Wasser überleben konnte. Im Testbecken geben reihenweise muskulöse Soldaten und Kampfschwimmer vor ihm auf. Die einzige Erklärung lautet „Seerobbenfett". Da hat Kormákur, dessen neuester Film „2 Guns" mit Denzel Washington, Mark Wahlberg und Paula Patton am 7. August das Festival von Locarno eröffnen wird, einen mit mystische Musik und einer traumhaft baren Natur schon längst in die Tiefen seiner eigentümlichen Filmkunst gezogen. Was „The Deep" trotz der dunklen Bilder extrem packend macht.

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