12.6.13

Seelen

USA 2013 (The Host) Regie: Andrew Niccol mit Saoirse Ronan, Max Irons, Diane Kruger, Jake Abel 125 Min. FSK ab 12

Das klare Styling in den ersten Szenen versprechen eine spannende Science Fiction-Geschichte von Andrew Niccol, der mit „In Time - Deine Zeit läuft ab" (2011) sowie „Gattaca" (1997) das Genre bereicherte und auch beim Actionfilm „Lord of War - Händler des Todes" (2005) sein Können bewies. Aliens haben in der Zukunft die Erde kolonialisiert und „befriedet". Als Melanie (Saoirse Ronan) eine der letzten, noch nicht besetzten Menschen, von den Suchern verfolgt wird, springt sie in den vermeintlichen Tod. Doch die Häscher retten sie und pflanzen den Host, den Parasiten namens „Wanderer", der schon auf vielen Planeten im Einsatz war, in ihren Kopf. Melanies Erinnerungen sind gefragt, um die letzten Widerstands-Nester zu finden. Doch ihre Rückblenden geraten sehr emotional. Nicht nur wegen des kleinen Bruders, der auch fliehen konnte, als der Vater sich vor der Ergreifung durch die Außerirdischen erschoss. Es gibt auch Jared, den sie liebt.

Der Rest von Melanies menschlichem Bewusstsein erweist sich als besonders willensstark. Über auf Dauer nervige Dialoge im Kopf - Gedanken von Melanie, Gesprochenes vom Host - und ein paar Spiegelszenen für diese schizophrene Situation überzeugt Melanie den Host, gemeinsam zu fliehen. Auch wenn der Fluchtwagen als alter Volvo extrem stabil ausgelegt ist, überlebt er es nicht, dass zwei Persönlichkeiten sich um die Richtung streiten. Trotzdem gelangen sie zum Nest des Widerstands unter der Führung von Onkel Jeb (William Hurt irgendwo in der Wüste, wo ihn Wim Wenders in „Bis ans Ende der Welt" 1991 zurückgelassen hatte). Dieser geniale Sonderling schuf einen ökologischen Mikrokosmos im Inneren eines alten Vulkans und redet mit dem Host, nennt den Wanderer freundlich Wanda - zum Entsetzen aller anderer. Die ungewöhnliche Offenheit dem Fremden gegenüber verändert jedoch die Welt...

Chromglänzende Maschinen, weiße Anzüge und Kleider - bis auf die Augen mit dem kalten Glanz starr leuchtender Pupillen sind es eigentlich ganz freundliche Aliens. Nur die von den Borg oder anderen Religionen entlehnte Philosophie der totalen Vereinnahmung ist nicht mehr nett. Dass sich einzelne Aliens trotzdem als die besseren Menschen erweisen, setzt ein gerüttelt Maß an interplanetarischer Völkerverständigung voraus. Doch die kitschige Weltfriedens-Vision ist als Film von Andrew Niccol immer noch handwerklich reizvoll inszeniert. Als jedoch die Gefühle für Jared, den früheren Freund von Melanie, mit denen von Wanda für Ian konkurrieren, wird es das befürchtete Teenie-Filmchen. Das Schema der jungen Frau zwischen zwei Männern verursacht auf der Stelle Langeweile, auch ohne zu wissen, dass ein Roman von Stephenie „Twilight" Meyer die Vorlage ist. Diesmal sind es nicht Werwolf und Vampir sondern junger Rebell und junger Rebell. Was an subtilem Humor vorhanden war, wird völlig albern, wenn Melanie mit nervigem Dauerkommentaren die Küsserei zu verhindern versucht: „Ihr seid ja nicht mal vom gleichen Planeten!" Schlimmer und schleimiger ist nur noch das Finale.

Bei sehr schöner Kamera-Arbeit (Roberto Schaefer) wird die Hauptrolle ordentlich gespielt von Saoirse Ronan („Wer ist Hanna?", „In meinem Himmel"). Das Schielen auf ein junges „Panem"-Publikum ist unübersehbar. Senior William Hurt hat endlich mal wieder eine großartige Rolle, auch Diane Krüger („Barfuß auf Nacktschnecken", „Mr. Nobody") als kalte Sucherin mit einem Rest Menschlichkeit überzeugt.

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