25.6.13

Papadopoulos & Söhne

Großbritannien 2012 (Papadopoulos & Sons) Regie: Marcus Markou, mit Stephen Dillane, Cosima Shaw, Georges Corraface, Thomas Underhill, Frank Dillane, 105 Min. FSK o.A.

Er ist zwar Unternehmer des Jahres, aber auf keinen Fall Vater der Woche: Harry Papadopoulos (Stephen Dillane) kam einst als griechischer Einwanderer nach London, betrieb mit seinem Bruder Spiros (Georges Corraface) erfolgreich einen Imbiss und wurde mit Taramas, der hellrosa Fischrogen-Creme, international (erfolg-) reich. Nun erhält er dafür eine gravierte Blumenvase und schon das Verhalten der drei Kinder beim Fototermin deutet auf schräge Familienverhältnisse hin. Der Witwer Harry Papadopoulos geht seltsam unverbunden, distanziert und unbeholfen mit der fast erwachsenen Tochter Katie (Georgia Groome), dem stotternden Pflanzenfreund James (Frank Dillane) und dem kleinen Börsenspezialisten Theo (Thomas Underhill) um.

Erst in der Firma fühlt der in sich zurückgezogene Patriarch sich wieder wohl. Selbst als die wegen des Börsen-Crashs von 2002 pleite geht. Denn der King des Feta-Käses verhebt sich angeberisch an noch so einer Shopping-Galerie mit albernem Namen - Papadopoulos Plaza. Mit 300 Millionen Schulden und gepfändeter Wohnung zieht die Familie zurück in den ersten Imbiss von Harry, zurück zu den Wurzeln. Harrys Bruder, Onkel Sprios, der noch Anteile an der alten Fish & Chips-Bude „Drei Brüder" hat, bringt Leben in die Familie und den Film. Alle kommen endlich aus sich heraus beziehungsweise bei sich an. Nur bis Harry locker wird, dauert eine besonders lange Weile.

„Papadopoulos & Söhne" steht in der Tradition vieler Familien, die erst durch äußere Katastrophen wieder zueinander finden. Am poetischsten und mutigsten umgesetzt in dem persönlichen Meisterwerk von John Boorman, „Die Zeit der bunten Vögel" („Where the Heart Is", 1990) mit Uma Thurman in einer ihrer ersten großen Rollen. Diese Komödie von Marcus Markou allerdings (nach eigenem Drehbuch) kann weder in Sachen Kamera noch beim Timing punkten. Die halbwegs nette Geschichte von „Papadopoulos & Söhne" hat zwei bis drei gute (Stephan Dillane, Georges Corraface und der Junior Thomas Underhill) und einige anständige Darsteller. Leider kommen die gut angelegten Figuren teilweise zu kurz, man hätte mehr von ihnen mitbekommen wollen. Gesellschaftskritik taucht nur in Form des in Krisenzeiten unerträglich fröhlichen und generell ekelhaft schmierigen Insolvenzverwalters Rob (Ed Stoppard) auf. Seine Assistentin Sophie (Cosima Shaw), mit der Harry dann auch noch eine aufgesetzte Liebe erleben darf, fasst die Weisheiten des Films zusammen: Macht es etwas aus, wenn das Geschäft klein aber alle Mitarbeiter glücklich sind? Denn einige der größten Firmen machen keinen Gewinn, es sind alles nur Rechentricks!

So simpel bleibt „Papadopoulos" weit entfernt von Brit-Komödien wie Frears „Mein wunderbarer Waschsalon" aber zum Glück auch von Schenkelklopfern wie „My big fat greek wedding". Bis auf die Bemerkung, Harry hätte seltsamerweise immer seine Steuern bezahlt - Achtung: Griechenwitz! Zwar lassen auch die passenden Musik-Klischees nicht lange auf sich warten, doch letztlich unterhält „Papadopoulos & Söhne" gemächlich, aber sympathisch - und das ist jetzt kein Griechenwitz.

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