17.6.13

Gambit

USA 2013 (Gambit) Regie: Michael Hoffman mit Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Tom Courtenay, Stanley Tucci 100 Min.

Dass die ungewöhnliche Paarung von Colin Firth und Cameron Diaz eine wunderbare Peter Sellers-Hommage hervorbringen würde, hätte niemand erwartet. Doch wer hinter die Kulissen dieses großartig altmodischen Spaßes schaut, entdeckt mit den Drehbuch-Autoren Ethan und Joel Coen („Fargo") sowie dem Regisseur Michael Hoffman („Ein Sommernachtstraum", 1998) eindeutige Indikatoren für bestes Kino!

Dieser Plan von Kunst-Kenner Harry Deane (Colin Firth), mit einen Heuhaufen-Gemälde von Monet einen Haufen Heu, beziehungsweise Geld, zu machen und sich gleichzeitig herrlich am ausgesucht ekligen Lord Lionel Shahbandar (Alan Rickman) zu rächen, läuft eindeutig zu glatt ab! Denkt man, aber das ist erst mal nur die voreilige Vorstellung von Harry Deane. Die Ausführung erweist sich als wesentlich holperiger, merkt der spätestens, als der distinguierte Brite in einer texanischen Bar auf die Nase fällt oder einen auf selbige bekommt. Dauernd wird der „törichte Freund" des Erzählers von nun an etwas auf die Nase bekommen und - gemäß der Erzähltradition der texanischen Filmemacher Coen - im Verlaufe der nicht planmäßig verlaufenden Handlung immer mitgenommener aussehen.

Dabei sah alles so einfach aus: Harry Deane lässt seinen Chef Lord Lionel Shahbandar „zufällig" entdecken, dass in der Absteige des ungehobelten texanischen Cowgirls PJ Puznowski (Cameron Diaz) ein millionenschwerer, seit Jahrzehnten vermisster Monet hängt. Diese Fälschung von Harrys Freund und Mitarbeiter Major Wingate (Tom Courtenay) soll die eingeweihte PJ dem Lord in London verkaufen und damit alle reich und glücklich machen. Doch zuerst erweist sich vor alle PJ Puznowski als ganz anders und viel ordinärer. Was Lionel Shahbandar überraschenderweise gar nicht abstößt. Und auch ein Häuflein witziger Japaner hat viel Spaß an ihr. Wobei Harry immer weniger zu lachen hat. Selbst Martin Zaidenweber (umwerfend gespielt von Stanley Tucci), das laufende Klischee eines deutschen Museumsleiters („the director of the Kunstmuseum in Köln"), kommt ihm als konkurrierender Expertisen-Ersteller böse in die Quere.

Dass dieser perfekt chaotisch ablaufende Trickdiebstahl - bis auf Harrys Nase - unblutig verläuft, macht den Coen-Film zu einem besonderen Spaß. Man kommt nicht umhin, an das geniale Duo aus Regisseur Blake Edwards (1922-2010) und Komiker Peter Sellers (1925-1980) zu denken: „Der Partyschreck" (1968) und „Der rosarote Panther", schon im animierten Vorspann angedeutet, standen eindeutig Pate bei dieser gelungenen Gauner-Komödie. Dass ausgerechnet Colin Firth das Erbe von Inspektor Jacques Clouseau und Dr. Seltsam antritt, lag nicht auf der Hand, erweist sich aber als geniale Besetzung: Der eher ernsthaft eingesetzte Meister-Schauspieler setzt als scheinbar scheiternder Meister-Dieb feine Nuancen des Niedergangs hervorragend um. Cameron Diaz darf als einfache Amerikanerin, die ihr Herz auf der Zunge trägt, deftiger loslegen. Stanley Tucci gibt seinem Martin Zaidenweber einen genialen deutschen Dialekt, den die Synchro wohl nicht mitbekommt. Aber vor allem gibt es endlich wieder mal einen richtigen Alan Rickman, der sich vom Fluch der Potter-Hexereien befreite.

So entstand herrlicher Slapstick in Tradition von Sellers und Tati wenn Harry mit widerspenstigen Stühlen kämpft. Es gibt unglaublich altmodisch spritzig-zotige Dialoge, wenn der verzweifelte Kunst-Gauner über seinen „Major" redet, was Hotel-Angestellte genital missverstehen, und allein die Namen der Figuren brächten nicht nur Loriot viele Sketch-Ideen! Spritzig ist der Spaß auch, wenn der Major nebenbei auch noch einen Pollock fälscht und Harry auch dabei einiges abbekommt. Wie gut „Gambit" letztendlich geworden ist, belegt die Tatsache, dass man keinen Moment wünscht, die Coens hätten diesen Film selbst inszeniert: Michael Hoffman, er fiel bisher vor allem durch seinen sehr netten „Ein Sommernachtstraum" (1998) mit Kevin Kline, Michelle Pfeiffer, Rupert Everett und Stanley Tucci auf, erweist sich als die beste Pointe dieser Humor-Produktion.

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